1 Ziele und Aufgabenschwerpunkte
Durch das Referat für Arten- und Gewässerschutz des LFV Bayern werden aus Mitteln der Fischereiabgabe seit 1995 Projekte und Maßnahmen zum praktischen Fischarten- und Gewässerschutz sowie Untersuchungen zu Gefährdungsursachen einzelner Arten durchgeführt. Daten der Fischartenkartierung, der Erhebungen für die Umsetzung der Wasserrahmen- und der FFH- Richtlinie sowie aktuelle Bestandserhebungen des LFV Bayern, der Bezirksfischereiverbände und der Fischereiberechtigten fließen in die entsprechenden Projekte ein.
Zu den Mitarbeitern des Referats für Arten und Gewässerschutz gehören Dipl. Ing. Johannes Schnell und Referatsleiter Dr. Sebastian Hanfland. Zu den Tätigkeiten gehören Planung, Organisation und Durchführung entsprechender Projekte, die Erschließung von Fördermitteln, das Controlling bei der Auftragsdurchführung sowie die projektbezogene Zusammenarbeit mit Ministerien und deren nachgeordneten Behörden, den Bezirksverbänden und Fischereifachberatungen der bayerischen Bezirke und die aufgabenbezogene Mitarbeit in ressort- und verbandsübergreifenden Arbeitsgruppen. Aus den Projekten werden Fachpublikationen und Fachvorträge erarbeitet.
Der Schwerpunkt der Projekttätigkeit liegt bei der Erhaltung der gefährdeten Arten und der Fließgewässerlebensräume, aber auch auf der Optimierung der fischereilichen Bewirtschaftung und der Sicherung einer nachhaltigen Nutzung gelegt.
Vor allem aufgrund der flächendeckenden Gewässerregulierung wird als die Hälfte der bayerischen Gewässer wird heute als erheblich verändert eingestuft. Zu den ohnehin zahlreich vorhandenen Störeinflüssen gesellt sich seit Jahren noch der vermehrte Fraßdruck Fisch fressender Vögel. Fische werden dadurch immer mehr gefährdet und es kommt zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Zieles einer nachhaltigen Fischerei. Dies hat zur Folge, dass ohne Lebensraumverbesserungen und/ oder ohne Fischbesatz meist weder ein erfolgreicher Fischartenschutz, noch eine nachhaltige fischereiliche Nutzung möglich sind.
Nahezu alle bayerischen Fließgewässerfische laichen auf Kiessubstrat. Die große Mehrheit dieser Kieslaicher gilt als gefährdet, einige Arten sind bereits aus Mitteleuropa verschwunden. 90% der Kieslaicher sind in der bayerischen „Roten Liste“ aufgeführt. Vielerorts gehen die Bestände weiter zurück. Zu den vielfältigen Gründen für diese Entwicklung zählt eine verminderte Reproduktion wegen degradierter Kieslaichplätze. Die Ursachen der Laichplatzdegradierung wurden vom Referat aufgezeigt und Methoden entwickelt, wie sich Kieslaichplätze schaffen oder auch restaurieren lassen. Nach mehrjährigen Versuchen mit begleitenden Erhebungen wurden die Ergebnisse im September 2007 in einer Broschüre veröffentlicht.
Zur Vermittlung der Ergebnisse der vorgenannten Projekte und Broschüren des LFV Bayern auf Ebene der Fischereivereine wurde ein Projekt initiiert, bei dem Seminare in Zusammenarbeit mit den Bezirksverbänden abgehalten wurden. Die Resonanz war bislang durchweg positiv und es ist von einer Zunahme der Seminaraktivität auszugehen.
Die Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Gewässer ist ebenso wie die Renaturierung von Fließgewässern als Schwerpunkt des Referats zu nennen. Der weitere Ausbau der Wasserkraftnutzung hat in letzter Zeit in Bayern an Aktualität hinzugewonnen, da sich als Folge der Klimadiskussion die Forderungen nach der Erhöhung des Anteils regenerativer Energie mehren. Der LFV Bayern beschäftigt sich im Rahmen mehrerer Projekte mit den gesamtökologischen Schäden als Folge der Wasserkraftnutzung. Im November 2007 hat der LFV Bayern in Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden LBV und BN ein Symposium über die Auswirkungen der Wasserkraft durchgeführt und die Erkenntnisse des LFV vorgestellt. Durch die Aktivitäten des LFV konnten die weit reichenden negativen Folgen der Wasserkraftnutzung auf die Gewässerlebensräume vielen Entscheidungsträgern (u.a. über die Veröffentlichung des Projektberichts "Altrechte an Wasserkraftanlagen in Bayern") nahe gebracht werden. In einer zunehmenden Zahl von Fällen folgten die Genehmigungsbehörden den Auffassungen der Fischerei. Nicht zuletzt auf Drängen und Zuarbeit des LFV Bayern erstellt der Freistaat Bayern einen Masterplan zur Durchgängigkeit der bayerischen Gewässer. Grundlage dieses Masterplans ist eine Studie über die Durchgängigkeit der bayerischen Donau, welche im Rahmen des AHP Sterlet (Projekt 904) vom Referat für A&G in Auftrag gegeben wurde.
Für den Erhalt gefährdeter Arten setzt sich das Referat u.a. mit den Artenhilfsprogrammen (Äsche, Flussperlmuschel, Sterlet, Huchen, regionale Artenhilfsprogrammen der Bezirksfischereiverbände) sowie dem Projekt Bachforellensterben ein. Konnten auch die für 2007 geplanten Versuche zum Bachforellensterben nicht in gewünschter Weise durchgeführt werden, so wurden doch die umfangreichen Untersuchungen 2006 gründlich aufgearbeitet und in Form eines ausführlichen Berichtes dargestellt. Auf dieser Grundlage wurden nun die ausgesetzten Versuche in überarbeiteter Form gemeinsam mit dem LFU Wielenbach für 2008 und 2009 projektiert.
Neben der Finanzierung der Projekte aus Mitteln der Fischereiabgabe wurden weitere Fördergelder als sog. Drittmittel aus unterschiedlichen Bereichen akquiriert. So wurden im Jahr 2007 z.B. vom Bayerischen Naturschutzfonds, der Firma EON und den Wasserwirtschaftsämtern zusätzliche Gelder für Arten- und Gewässerschutzmaßnahmen des LFV Bayern bereitgestellt.
Die Ergebnisse der Projekte werden in Berichten und Broschüren des LFV Bayern veröffentlicht, die beim Referat für Arten- und Gewässerschutz erhältlich sind. Zudem wurden die Resultate in zahlreichen Fachvorträgen vorgestellt. Im Rahmen der „Zentrale Maßnahmen“ wurden in Zusammenarbeit mit den Bezirksverbänden Seminare abgehalten, um praxisrelevante Erkenntnisse an interessierte Gewässerwarte, Vereinsvorstände und Fischer zu vermitteln. Ausgewählte Projekte konnten auch in der Tagespresse und z.T. im Fernsehen einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.
Die Mitarbeiter des Referats für Arten- und Gewässerschutz sind verantwortlich für die Planung, Organisation, Koordinierung, Durchführung und finanzielle Abwicklung der nachfolgend aufgeführten Projekte. Die Maßnahmen werden aus Mitteln der Fischereiabgabe gefördert bzw. teilfinanziert.
Dr. Sebastian Hanfland
Dipl. Ing. Johannes Schnell
Tab. 1: Arten- und Gewässerschutzprojekte des LFV Bayern im Jahr 2008
| Pr. Nr. | Projektbezeichnung | Abschluss |
| 101 | Dettelbach | 2008 |
| 203 | Fischartenvielfalt | 2008 |
| 205 | Schwellbetrieb | 2009 |
| 106 | Echolot Donau/Main | 2008 |
| 506 | Gewässervernetzung | 2008 |
| 1006 | Lebensraumverbessernde Maßnahmen | 2008 |
| 1106 | Turbinenschäden | 2008 |
| 107 | Erfolgskontrolle AHPs | 2009 |
| 207 | Fischfressende Vögel | 2009 |
| 307 | Umsetzung FFH und WRRL | 2009 |
| 407 | Abflussdynamisierung | 2009 |
| 607 | Laichplatzrestaurierung | 2011 |
| 707 | HegeBesatzdatenbank | 2009 |
| 908 | Bachforellensterben | 2009 |
| 108 | Eingriffs-Ausgleichs-Regelung | 2008 |