4 Artenhilfsprogramme und deren Grundlagen
Gemäß der Richtlinie (Anhang II.3) für Zuwendungen aus der Fischereiabgabe ist der LFV Bayern bei der Erstellung von Artenhilfsprogrammen federführend. Hinsichtlich der in die regionalen Artenhilfsprogramme aufzunehmenden Arten ist er koordinierend tätig. Er achtet auch auf die Einhaltung der unter Nummer 4.2 der Richtlinie genannten Anforderungen an die entsprechenden Artenhilfsprogramme. Darüber hinaus führt er systematisch ausgewählte Erfolgskontrollen der im Rahmen von Artenhilfsprogrammen vorgenommenen „Besatzmaßnahmen zur Wiederbesiedelung und zum Bestandsaufbau“ (Nummer 4.2) durch. Zu den Aufgaben gehören zum einen die Auswertung der Formblätter zur Erfolgskontrolle bei geförderten Besatzmaßnahmen im Rahmen der Artenhilfsprogramme sowie die Interpretation der Ergebnisse. Zum anderen sind bayernweit exemplarische Erfolgskontrollen bei Fischarten durchzuführen, die in den Artenhilfsprogrammen der Bezirke gelistet sind.
Des Weiteren werden die bezirksübergreifenden Artenhilfsprogramme (wie z.B. AHP Flussperlmuschel und AHP Sterlet) fachlich begleitet und koordiniert.
Fragebogen Erfolgskontrolle
4.1 Erfolgskontrolle von Besatzmaßnahmen:
Das Ministerium für Landwirtschaft und Forsten hat ein nachhaltiges Interesse daran, dass die Bestände von in Bayern gefährdeten Fischarten durch die Fischereiberechtigten gestützt oder wieder aufbaut werden. Aus diesem Grund wird Besatz mit gefährdeten Fischarten aus Mitteln der Fischereiabgabe gefördert. Da durch Besatzmaßnahmen die Probleme in den Gewässern nicht gelöst werden können, sollten wo immer es möglich ist, auch lebensraumverbessernde Maßnahmen in und an den Gewässern durchgeführt werden. Der Anteil der Besatzmaßnahmen muss daher nach den Maßgaben des Ministeriums unter der Hälfte des Gesamtbudgets der Bezirksfischereiverbände liegen.
Unter der Koordination des Landesfischereiverbandes Bayern werden durch die zuständigen Bezirksfischereiverbände und Fischereifachberatungen Artenhilfsprogramme für eine Auswahl bedrohter Fischarten konzipiert. Diese Programme haben eine Laufzeit zwischen 3- und 5 Jahren. In den Programmen sind neben den Fischarten auch die Altersklassen bzw. Fischgrößen und die in Frage kommenden Gewässer festgelegt. Grundlage der Artenhilfsprogramme (AHP) ist die Richtlinie für Zuwendungen aus der Fischereiabgabe in der Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Landwirtschaft und Forsten. Für die einzelnen Arten werden in jedem Bezirk einheitliche Fördersätze festgelegt. In der Regel werden 50% der förderfähigen Kosten als Zuschuss gewährt. Die Förderung kann nur gewährt werden, wenn die jeweilige Art in dem Gewässer heimisch ist bzw. war und einen geeigneten Lebensraum vorfindet. Alle Entwicklungsstadien vom Ei bis zum einsömmerigen Setzling, in begründeten Ausnahmefällen auch 2-sömmrige oder ältere Fische, sind förderfähig. Die max. Besatzmenge wird von der Fachberatung für Fischerei nach Rücksprache mit den Antragstellern bzw. nach den Erfahrungswerten für die jeweilige Fischart im betreffenden Artenhilfsprogramm festgelegt. Die gewässernahe Herkunft des Besatzes gem. § 19 AVFiG ist vom Lieferanten mit einem Herkunftszeugnis zu bestätigen und mit Besatzmenge und -alter im Verwendungsnachweis aufzuzeigen. Beim Besatz mit erlaubnispflichtigen Arten gemäß § 19 AVFiG entfällt die ansonsten erforderliche Genehmigung der Kreisverwaltungsbehörde, wenn die Besatzmaßnahme im Rahmen dieser Artenhilfsprogramme erfolgt.
Der Antragsteller hat zusammen mit dem Verwendungsnachweis einen kurzen Erfahrungsbericht über die getätigte Besatzmaßnahme abzugeben. Ob dieser Erfahrungsbericht -wie zunächst vorgesehen- mittels eines offiziellen Formblatts von jedem einzelnen Antragssteller abzugeben ist, oder ob die Bezirksfischereiverbände pro Artenhilfsprogramm eine Übersicht über den Umfang und den Erfolg des jeweiligen Programms abzugeben haben, wird derzeit zwischen Landwirtschaftsministerium und Landesfischereiverband Anfang 2008 abschließend geklärt.
Im laufenden Jahr 2008 wird vom LFV Bayern in Zusammenarbeit mit den Bezirksfischereiverbänden und den Fischereifachberatungen der Erfolg der Artenhilfsprogramme beurteilt. Die Ergebnisse werden in einem ausführlichen Bericht dokumentiert.
Bisher wurden im Rahmen der Artenhilfsprogramme unter anderem exemplarische Erfolgskontrollen bei Besatzmaßnahmen mit Äschen (Niederbayern, Oberbayern, Oberpfalz, Unterfranken), mit Huchen (Schwaben), mit Bachforellen (Niederbayern, Schwaben), mit Rutten (Oberpfalz) und Nasen (Oberfranken) durchgeführt. Dabei wurden im Jahr 2007 über 20.000 Fische markiert und ca. 10 Elektrobefischungen zur Bestandskontrolle durchgeführt. Bei den Analysen handelt es sich um mehrjährige Untersuchungen.
Die vorläufigen Ergebnisse bestätigen in einigen Gewässern den Erfolg der Besatzmaßnahmen im Rahmen der Artenhilfsprogramme. Es zeichnet sich allerdings ab, dass in den Gewässerstrecken, in denen der Fraßdruck durch fischfressende Vögel entscheidend zum Rückgang der entsprechenden Fischarten beigetragen hat, auch mit Besatz kein adäquater Bestand wieder aufgebaut werden kann. Dies ist auch nicht verwunderlich, da die Fische laut Richtlinie in einer Altersklasse besetzt werden müssen, in der sie rein größenmäßig optimal ins Beutespektrum von Gänsesäger und Kormoran passen. In diesem Zusammenhang ist in den Gewässerstrecken, in denen die Artenhilfsprogramme durchgeführt werden, eine konsequente Reduktion des Fraßdrucks fischfressender Vögel zu fordern.
Die Wanderaktivitäten der Besatzfische, die mitunter über 20 km betragen können, machen die Erfolgskontrolle mittels Elektrofischerei verhältnismäßig schwierig. Aus Kostengründen sind nur stichprobenmäßige Elektrobefischungen (ca. 500m Abschnitte) zur Erfolgskontrolle möglich. Es ist also durchaus denkbar, dass sich die Besatzfische noch im Gewässersystem befinden, sie bei den Befischungen aber nicht nachgewiesen werden konnten. Wenn also bei den Elektrobefischungen keine markierten Besatzfische gefangen werden, heißt das nicht automatisch, dass das Artenhilfsprogramm nicht erfolgreich war.
Projektdurchführung: Dr. M. Baars, J. Schnell, B. Tombek
Erfolgskontrolle mittels Isotopenanalyse
Traditionelle Methoden, wie die Markierung von Fischen mittels Farbinjektion sind aufwändig und ermöglichen es nicht, Besatz aus diffusen Quellen zu identifizieren. Mittels eines isotopenchemischen Ansatzes soll ein universelles Verfahren für die Erfolgskontrolle bei Salmonidenbesatz und für die Detektion von Besatzfischen in freien Gewässern entwickelt werden, das kein vorheriges Markieren der Fische erfordert. Im Rahmen eines Vorversuchs an der Fischbiologie der TU München wird derzeit am Beispiel der Bachforelle überprüft, ob und wie lange sich die isotopenchemische Signatur bei Fütterung mit kommerziell erhältlichem Pelletfutter auch nach einer Umstellung auf Naturnahrung im Fisch nachweisen lässt. Hierzu erfolgen zu verschiedenen Probenahmezeitpunkten massenspektrometrische Messungen der d13C und d15N-Isotopensignaturen.
Projektleitung: TU München (Fischbiologie)
4.2 Artenhilfsprogramm Sterlet
Im Jahr 2007 wurde die dreijährige Untersuchungsphase zum Artenhilfsprogramm Sterlet abgeschlossen und es kamen mit den Untersuchungen zur Molekulargenetik des Donausterlets und zur Durchgängigkeit der bayerischen Donau zwei wichtige Unterprojekte zum Abschluss, die für eine potentielle Wiedereinbürgerung des Sterlets in Bayern aber auch für die allgemeine Verbesserung der fischökologischen Verhältnisse im bayerischen Donausystem von großer Bedeutung sind.
Dr. Arne Ludwig vom Institut für Zoo- und Wildtierforschung / Berlin, untersuchte anhand von 127 Sterletproben aus dem gesamten Donauraum die molekulargenetische Differenzierung des Donausterlets. Eine klare Unterstrukturierung in Einzelbestände im Donauverlauf war nicht nachweisbar, was, trotz des Vorhandenseins von Wanderbarrieren (Dämme und Staustufen), auf einen fortbestehenden Genfluss zwischen den verschiedenen Donauabschnitten und somit eine panmiktische (regelmäßig durchmischte) Gesamtpopulation des Donausterlets schließen lässt. Dabei reicht bereits eine Migration von zwei bis drei Tieren pro Generation zwischen verschiedenen Flussabschnitten aus, um eine genetische Aufspaltung in verschiedene Populationen zu unterbinden.
Der Vergleich mit Sterlets aus der Wolga, die natürlicherweise durch eine Landbarriere vom Donaubestand getrennt sind, erbrachte den Nachweis von 23 Wolga-Donau-Hybriden, was auf einen Import von Wolgasterlets in den Donauraum und eine bereits erfolgte Einkreuzung dieser nicht-nativen Genotypen hinweist. Der Nachweis von Sterlethybriden verschiedenster Ausprägung unterhalb der Wehranlage Jochenstein, lässt zudem auf eine Einkreuzung eingebrachter sibirischer Störe in den lokalen Sterletbestand schließen.
Die genetische Strukturierung der Donausterlets lässt eine grobe Einteilung in Bestände der Oberen- (Slowakei), Mittleren-(Serbien) und Unteren-(Rumänien) Donau erkennen. Deshalb sollten bei Wiederansiedelungsprogrammen reine Donausterlets (77,2 % in der untersuchten Stichprobe) und Tiere aus den entsprechenden Donauabschnitten bevorzugt für Besatzzwecke eingesetzt werden.
Projektdurchführung Teilprojekt „SterletgenetiK: Dr. A. Ludwig
Im Abschlussbericht zum Artenhilfsprogramm Sterlet werden die Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen und Aktivitäten im Artenhilfsprogramm zusammengefasst, interpretiert und auf dieser Grundlage ein Ausblick auf weiterführende Maßnahmen gegeben.
Projektkoordination: Dr. R. Reinartz
Link zum Projektbericht
4.3 Erhaltungsstrategien für die Äsche
Das Projekt „Entwicklung von Erhaltungsstrategien für die Äsche“ verfolgte folgende Teilziele: Erfassung der wichtigsten Managementeinheiten (MUs) innerhalb der "evolutionär" erhaltungswürdigen Einheiten (ESUs) bayerischer Äschenpopulationen, die Evaluierung von Äschen-Zuchtprogrammen (Vergleich "Zucht / Natur"), die Entwicklung einer nachhaltigen und effektiven Besatzstrategie unter Berücksichtigung von ökonomisch und ökologisch geeigneten Methoden zur naturnahen Aufzucht und Reproduktion, die Zusammenführung der Erkenntnisse aus der Literatur und von anderen Studien aus dem Artenhilfsprogramm, die Durchführung einer Pilotstudie zum Thema Partnerwahl und den möglichen Effekten bestimmter Elternkombinationen auf den Reproduktionserfolg, Schaffung methodischer Grundlagen zur Erfassung der Adaption an unterschiedliche Umweltbedingungen sowie die öffentlichkeits- und politikwirksame Vermittlung der Gefährdungsfaktoren „Fraßdruck“ und „Lebensraum“ durch den LFV.
Aus Bayern wurden bisher Äschenpopulationen aus rund 30 verschiedenen Herkünften genetisch untersucht. Das Probenmaterial stammte vor allem aus dem bayerischen Donau-, Rhein/Main- und Elbeeinzugsgebiet, aber auch aus anderen zentral- und nordeuropäischen Herkünften wie Österreich, Tschechien, Polen, Estland und Schweden. Zur Bestimmung übergeordneter Verwandtschaftslinien wurden die genetischen Marker so gewählt, dass die Daten mit anderen Studien aus Nord- und Südeuropa verknüpft und dadurch das Untersuchungsgebiet erweitert werden konnte. Die Synthese der phylogeographischen und populationsgenetischen Daten weist auf mindestens vier mitochondriale Hauptlinien der Äsche in Zentral- und Nordeuropa hin, die sich in geographischer Isolation während des Pleistozäns entwickelt haben. Drei dieser unterschiedlichen genetischen Linien kommen in dem intensiver untersuchten Gebiet nördlich der Alpen, entsprechend den Einzugsgebieten von Donau, Rhein/Main und Elbe vor. Die vierte Linie beschränkt sich auf Skandinavien und Nordost-Europa. Diese Hauptlinien müssen als eigene evolutionär bedeutsame Einheiten, so genannte „ESUs“ („evolutionary significant units“), in Zentral- und Nordeuropa angesehen werden. Die zeitliche Trennung der typischen Donau-Linie von den anderen zentral- und nordeuropäischen Linien wurde auf mindestens vor 600.000 Jahren geschätzt.
Die Ergebnisse zeigen, dass sich die untersuchten Äschenbestände aus Bayern innerhalb und zwischen den Einzugsgebieten genetisch stark unterscheiden. Die großen Flusssysteme Donau, Rhein/Main und Elbe bilden eine natürliche, geographische Grenze zwischen den Populationen und stimmen mit den gefundenen genetischen Unterschieden weitgehend überein. Auch innerhalb der Einzugsgebiete wurde ein starker Unterschied zwischen den Populationen festgestellt. Diese Beobachtung trifft besonders auf das Donausystem zu. Die Äschenbestände aus den kalkhaltigen Zuflüssen der Nordalpen (Inn, Isar, Iller, Lech) unterscheiden sich deutlich von den linksseitigen kalkarmen Zuflüssen aus dem Mittelgebirge (Oberfranken) und dem Bayerischen Wald (z.B. Schwarzer Regen). Innerhalb dieser Managementeinheiten bilden Äschenpopulationen genetisch eine evolutionäre Einheit und können daher auch entsprechend bewirtschaftet werden (z.B. Donau-Süd: Inn, Isar, Ammer, Ramsach, Dorfen).
In einigen Populationen aus den Kontaktzonen bestimmter Flusseinzugsgebiete wie z.B. in Südskandinavien oder im Nordosten und Südwesten Bayerns (Fichtelgebirge, Bodensee-System), wurden zwei (selten auch drei) der vier unterschiedlichen Äschen-Hauptlinien festgestellt. In diesen Gebieten ist das Vorkommen unterschiedlicher mitochondrialen Linien höchstwahrscheinlich auf historische Prozesse, insbesondere auf die eiszeitlichen Veränderungen und alten Flussverbindungen aus dem Pleistozän, zurückzuführen. Im Fichtelgebirge treffen beispielsweise die Oberläufe der Einzugsgebiete von Donau, Main und Elbe auf wenigen km2 zusammen. Eine natürliche Vermischung zwischen der typischen Donau-Linie und der westeuropäischen Linie (Rhein/Main) wurde auch in Zuflüssen zum Bodensee und im Einzugsgebiet des Alpenrheins festgestellt. Ein ähnliches Verbreitungsmuster ist auch für die Mühlkoppe beschrieben. In diesen Regionen sind Vorhersagen über die genetische Zugehörigkeit von einzelnen Populationen, die sich ausschließlich am heutigen Verlauf der Flusssysteme orientieren, nicht möglich. Über die Jahrtausende haben sich in solchen "Mischgürteln" eigenständige Populationen entwickelt, die sich ursprünglich aus mehreren Einwanderungswellen zusammensetzten. So wird für einige Populationen der Äsche und Groppe ein Überleben der letzten Eiszeit im Maineinzugsgebiet angenommen. Diese Reliktbestände trafen dann u. U. später mit nacheiszeitlichen Einwanderern zusammen.
Die Hauptursache für die zunehmende Gefährdung rheophiler Fischarten, insbesondere der kieslaichenden Fische, ist zweifellos der Verlust geeigneter Lebensräume. Heute weiß man aber, dass für den flächendeckenden Einbruch der Äschenbestände seit Mitte der 1980iger Jahre letztlich die enorm angestiegene europäische Kormoranpopulation verantwortlich ist. Der anhaltend hohe Fraßdruck verhindert eine langfristige Erholung der betroffenen Populationen. Eine angelfischereiliche Nutzung der Äsche, wie sie bis Mitte der 1990iger üblich war, kommt derzeit kaum in Betracht. Daher ist die Nachfrage nach Äschenbesatzmaterial insgesamt rückläufig. Erst nachdem man sich auf ein überregionales Kormoranmanagement geeinigt haben wird, ist wieder mit einer Zunahme an Äschenbesatz zu rechnen.
Das fischereiliche Management der Äsche sollte sich in jedem Fall an den vorgeschlagenen erhaltungswürdigen Einheiten orientieren, um die genetische Diversität und Integrität der Art zu sichern. Die aus diesem Projekt gewonnenen genetischen Erkenntnisse und zur Verfügung stehenden Daten können in zukünftigen Arbeiten unter anderem dazu eingesetzt werden, um - die zeitliche Stabilität der festgestellten populationsgenetischen Struktur der Äsche zu bewerten; - die Dimension einer möglichen Reduktion der genetischen Variabilität durch den anhaltenden Bestandseinbruch zu erfassen (Flaschenhalts-Effekte); - die Effektivität von Wiederansiedlungsmaßnahmen durch Initialbesatz mit Äschen aus verschiedenen genetischen Managementeinheiten zu bewerten; - zu prüfen, inwieweit Äschen aus Besatzmaßnahmen (im Verhältnis zur natürlicher Reproduktion) zu einem nachhaltigen Bestandsaufbau beitragen. Zukünftige genetische Studien stehen vor der Herausforderung zu zeigen, ob die vorliegenden Ergebnisse bezüglich der Verwandtschaft der Äsche aus unterschiedlichen Einzugsgebieten (die bisher auf selektiv "neutralen" Markern basieren), auch mit Parametern korrelieren, die für die Überlebensfähigkeit der Populationen entscheidend sind, wie z.B. Wachstum oder Anpassung an bestimmte biotische (Nahrungsangebot) oder abiotische Faktoren (z.B. Temperatur, Wasserchemismus).
Projektdurchführung: TU-München (Wildbiologie)
Link zum Projektbericht
4.4 AHP-Flussperlmuschel (Projekt 1002); Teilprojekt Erfassung möglicher Wirt-Parasit-Koevolution zwischen Bachforelle und Perlmuschel unter Betrachtung funktionalgenetischer Aspekte.
In der Vergangenheit wurde wiederholt kontrovers diskutiert, inwieweit die Herkunft von Bachforellen für den Besatz von Flussperlmuschelgewässern im Hinblick auf den Artenschutz eine Rolle spielt.
Ziel dieses Teilprojekts war, mit Hilfe von Mikrosatelliten und mitochondrialen Genen die genetische Struktur von Bachforellen (Salmo trutta) aus Flussperlmuschelgewässern (Margaritifera margaritifera L.) darzustellen, evolutive Einheiten zu ermitteln und mögliche Genexpressionsvariationen zu erfassen.
Zur phylogeographischen und populationsgenetischen Analyse wurden 407 Proben aus 14 verschiedenen Populationen der Gewässersysteme Elbe, Donau, Weser, Aulne, Kemijoki und Tuuloma mit teils noch funktionalen Flussperlmuschelpopulationen (mit Jungmuschelproduktion) und nicht mehr funktionalen Populationen und eine Zuchtpopulation untersucht. Ergebnisse vorhandener Studien konnten verifiziert werden. Weiter wurde ein Vergleich mit Bachforellen- und Flussperlmuschelstudien durchgeführt, um den coadaptiven Zusammenhang zwischen Bachforellen- und Perlmuschelpopulationen zu erarbeiten. Durch Analyse eines mitochondrialen Gens konnte die Populationen in die atlantische und danubische Abstammungslinie eingeordnet werden. Durch Kombination der eigenen Ergebnisse mit Bachforellen- und Perlmuschelstudien konnte eine Übereinstimmung des Verbreitungsgebietes des atlantischen Bachforellenhaplotypen und der Perlmuschelbestände in Europa festgestellt werden. Dies legt die Vermutung einer Koevolution der, als Glochidien auf der Bachforelle parasitierenden, Flussperlmuschel und dem atlantischen Haplotypen der Bachforelle nahe. Zur detaillierten Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse und der genetischen Diversität auf Individuen- und Populationsebene wurden 10 unterschiedlich polymorphe Mikrosatellitensysteme genotypisiert. Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass jede Hauptdrainage eine eigenständige evolutive Einheit darstellt, die jedoch in sich isolierte Populationen beinhaltet. Bei Managementmaßnahmen ist dies zu berücksichtigen. Die vorläufigen Ergebnisse der funktionalgenetischen Analysen zeigen Genexpressionsunterschiede der danubischen und atlantischen Linien, doch sind für eine gesicherte Aussage noch weitere Untersuchungen nötig. Die vorliegende Arbeit unterstützt die These, dass sowohl für das Bachforellen- als auch für das Perlmuschelmanagement die Einhaltung evolutiver Einheiten, die sich in den Hauptdrainagen sowie im speziellen Fall der Donau im nördlichen und südlichen Einzugsgebiet widerspiegeln, als auch die Berücksichtigung einzelner Populationen besonderer genetischer Konstitution, in allen geplanten Erhaltungsstrategien einbezogen werden müssen.
Projektdurchführung: TU-München (Wildbiologie)
Link zum Projektbericht
4.5 Erfassung der bayerischen Fischartenvielfalt in der Zoologischen Staatssammlung
Wie bereits im vorherigen Jahresbericht beschrieben, hinkt die Erfassung der Artenvielfalt bayerischer Fische hinter denen anderer Bundesländer, vor allem aber ausgewählter anderer europäischer Staaten hinterher – und dies obwohl Bayern das fischartenreichste Bundesland Deutschlands ist. Es zeigt sich gerade in den letzten Jahren zunehmend, dass diese Situation für den Fischartenschutz, aber auch für die Fischerei in Bayern nachhaltig negative Konsequenzen haben kann, weil geringe Kenntnisse über die lokale Differenzierung von Populationen vorliegen und eine modernen Erkenntnissen angepasste Fischerei- und Naturschutzpolitik nur bedingt möglich ist. Mit dem seit Dezember 2003 an der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) laufenden Projekt „Erfassung der Fischartenvielfalt Bayerns“ zur Aufsammlung und Erfassung der Fischartenvielfalt Bayerns wird versucht, diesem Missstand zu begegnen. Das Projekt wird in Kooperation und Abstimmung mit dem LFV Bayern, den Fachberatern für Fischerei in den Regierungsbezirken, dem Institut für Fischerei (Starnberg) und dem Landesamt für Umwelt (Wielenbach) durchgeführt, und soll bis Ende 2008 abgeschlossen werden.
Die Aufsammlung dient dem Zweck, die Biodiversität der Fischfauna Bayerns nachvollziehbar und überprüfbar zu dokumentieren. Die wichtigste Grundlage dazu sind Aufsammlungen von Referenzexemplaren, die in der ZSM hinterlegt und dokumentiert werden. Dabei sollen vor allem alle ursprünglichen Fischarten Bayerns in einer für statistische Untersuchungen ausreichend großen Zahl repräsentiert sein, entsprechend der Ausbildung lokal differenzierter Populationen wichtige Gewässersysteme berücksichtigt sein (je nach Fischart unterschiedlich), möglichst ursprüngliche Populationen berücksichtigt werden, und schließlich von diesen Referenzexemplaren Gewebeproben zur DNA-Analyse genommen werden. Außerdem sollen alle Fischarten in ausgewählten Populationen fotographisch dokumentiert werden.
Im Jahr 2007 wurden fast alle Aufsammlungen in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Fischerei in Starnberg, dem Institut für Wasserforschung in Wielenbach und der Fischereifachberatung Oberfranken durchgeführt. Wegen der Möglichkeit, die fehlenden Fließgewässerbefischungen fast flächendeckend im Jahr 2007 abzuschließen, wurde die ursprünglich weiterzuführende Seenbesammlung auf das Jahr 2008 verlegt. Der Stand der Fließgewässerbefischungen kann als höchst zufrieden stellend bewertet werden, es fehlen nur noch sehr wenige Einzugsgebiete und einige Sucharten.
2007 wurden 2.857 Individuen von 41 „Arten“ beprobt. Von diesen Individuen wurden 1.157 Fische individuell beprobt, um spätere genetische Untersuchungen mit eindeutigem Bezug zum Individuum in der Sammlung zuzulassen. Die Besammlungsergebnisse der Projektphase 3 können als zufrieden stellend angesehen werden. Mit erhöhtem Aufwand sollen weiterhin bestehende Lücken in der bayernweiten Abdeckung aller Fließgewässersysteme und Fischarten sowie der Seen weitestgehend bearbeitet werden. In den Seen wurden bisher vornehmlich Coregonen besammelt. Hauptaugenmerk für die weiteren Aktionen liegt daher im Bereich gezielter Befischung auf Ziel- und Sucharten, sowie bei den artenübergreifenden Seenbefischungen. 2008 wird das Projekt mit einer systematischen Suche einzelner seltener Arten und noch nicht besammelter Populationen abgeschlossen.
Es wurden mit Vertretern des Museums „Mensch und Natur“ (einem Partnerinstitut der ZSM) Vorüberlegungen zum angemessenen Abschluss der Projektes 2008 gemacht. Die Projektergebnisse könnten demnach in eine Ausstellung, die kooperativ von ZSM und dem Landesfischereiverband gestaltet wird, münden.
Der Projektendbericht steht ab Frühjahr 2009 zur Verfügung.
www.zsm.mwn.de/external/bayernfisch/_start.html
Projektdurchführung: Zoologische Staatssammlung München
Link zur Homepage der ZSM