3 Projekte zum Schutz und zur Verbesserung des Gewässerlebensraums
Typische Flussfischarten sind aufgrund von Lebensraumdefiziten heute in bayerischen Gewässern in ihrem Bestand stark rückläufig. Der LFV Bayern versucht diese Entwicklung durch Projekte, welche sich mit der Verbesserung des Fließgewässerlebensraums befassen, aufzuhalten und soweit möglich umzukehren. Im Rahmen der Arten- und Gewässerschutzprojekte kommt dem Erhalt der letzten unverbauten Gewässerabschnitte eine wesentliche Bedeutung zu. Da allerdings ein Großteil der bayerischen Fließgewässer sehr stark verändert ist, ist es zwingend erforderlich, dass bayernweit auch die Verbesserung der beeinträchtigten Gewässerlebensräume fortgeführt, optimiert und intensiviert wird.
3.1 Maßnahmen zur Sicherung der Interessen der Fischerei im Hinblick auf die Umsetzung der FFH- und der Wasserrahmenrichtline
Die ökologische Durchgängigkeit von Flüssen ist eine “hydromorphologische Qualitätskomponente“ der WRRL zur Einstufung des ökologischen Zustandes von Flüssen. Die grundsätzlichen Ziele der WRRL sind das “Erreichen des guten ökologischen Zustands bis zum Jahr 2015 bzw., für erheblich veränderte Gewässer, das Erreichen des guten ökologischen Potenzials. Referenz für den guten ökologischen Zustand bzw. das gute ökologische Potenzial ist der sehr gute Zustand bzw. das höchste ökologische Potenzial. (Auszug aus Studie Seifert; PJ 904)
Im Hinblick auf die Qualitätskomponente Durchgängigkeit definiert die WRRL die ökologischen Referenzzustände wie folgt:
Sehr guter Zustand: Die Durchgängigkeit des Flusses wird nicht durch menschliche Tätigkeiten gestört und ermöglicht die ungestörte Migration aquatischer Organismen und den Transport von Sedimenten.
Höchstes Potenzial: Die Hydromorphologie ist so beschaffen, dass nach Durchführung aller Maßnahmen zur Begrenzung des ökologischen Schadens eine bestmögliche ökologische Durchgängigkeit im Hinblick auf Wanderungen der Fauna und geeignete Laich- und Aufzuchthabitate sichergestellt sind.
Bei dem zur Zielerreichung der WRRL erforderlichen guten ökologischen Zustand bzw. dem guten ökologischen Potenzial der hydromorphologischen Qualitätskomponenten nimmt die Richtlinie Bezug auf die biologischen Qualitätskomponenten, insbesondere auf die Fische und fordert:
“Bedingungen (Durchgängigkeitsbedingungen), unter denen die für die biologischen Qualitätskomponenten (Fische) beschriebenen Werte erreicht werden können.“
Aus dieser Verknüpfung der Wertigkeit von hydromorphologischen und biologischen Qualitätskomponenten einerseits und der weiteren Bedingung, dass die jeweiligen guten ökologischen Zustände nur geringfügig von dem sehr guten Zustand bzw. von dem höchsten ökologischen Potenzial abweichen dürfen andererseits, ist zu folgern, dass die Erhaltung bzw. Herstellung der umfassenden Durchgängigkeit für das Erhalten/Erreichen des guten ökologischen Zustandes zwingend erforderlich ist in erheblich veränderten Gewässern, soweit eine typspezifische Fischfauna existiert oder eine gebietstypische Fischfauna durch die Wiederherstellung der Durchgängigkeit regeneriert oder gefördert werden kann. In jedem Falle sind geeignete Möglichkeiten (Fischaufstiegshilfen) für eine gute Durchgängigkeit herzustellen, um das Ziel des guten ökologischen Potenzials zu erreichen.
Dieser Interpretation der Wasserrahmenrichtlinie schließt sich das Umweltministerium bisher allerdings nicht an.
Stellt die Wasserrahmen- in Verbindung mit der FFH-Richtlinie auch eine historisch einmalige Chance zum Erhalt und der Revitalisierung insbesondere unserer Fließgewässerlebensräume dar, so bedürfen gerade die Fische doch im Spannungsfeld der unterschiedlichen gesellschaftlichen Interessenslagen, der Interpretierbarkeit bzw. konkreten Umsetzung der gesetzlichen Rahmenvorgaben und auch der (zeitlichen wie finanziellen) Realisierbarkeit diverser Wunschvorstellungen dringend der Unterstützung durch die Fischerei.
In zahlreichen Sitzungen und Wasserforen wurden die Umsetzung der WRRL und der FFH RL in Bayern durch den LFV kritisch begleitet und die Anliegen der Fischerei wie des Fischartenschutzes nach Kräften vertreten. So ist eine nachvollziehbare Definition, Einstufung und die zukünftige Vorgehensweise bei den „Heavily Modified Water Bodies“ (HMWB) noch immer nicht eindeutig festgelegt worden. Dieses schwierige Thema wird vom Umweltministerium unter Einbeziehung aller am Wasserforum beteiligten Interessensverbände und Naturschutzorganisationen vorangetrieben, wobei der LFV bemüht ist, ein Höchstmaß von Entwicklungsmöglichkeiten auch für diese anthropogen beeinträchtigten Gewässer sicher zu stellen.
Bei der Erhebung der fischbezogenen Daten zur Einstufung der Gewässer gemäß WRRL stellte der LFV Bayern Daten aus eigenen Projekten zur Verfügung oder koordinierte projektbezogene Elektrobefischungen mit den WRRL-Befischungsteams des Instituts für Fischerei oder der Fischereifachberatungen. Diese Synergieeffekte waren vorab seitens des Landwirtschaftsministeriums ausdrücklich gefordert und entsprechend vereinbart worden.
Die Einsetzung der Fischereifachberatungen als maßgebliche Institution zur Erhebung und Evaluierung der fischbezogenen Daten auch im Rahmen der FFH-RL ist u.a. auch dem Einsatz des LFV Bayern zu verdanken. Hierdurch konnte auf dem sensiblen Gebiet der Ausübung der Fischerei auch in FFH-Gebieten ein drohender Übergriff seitens des Naturschutzes verhindert werden.
3.2 Durchgängigkeit bayerischer Fließgewässer
Masterplan zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie
Die Wiederherstellung der Durchgängigkeit bayerischer Fließgewässer gehört seit Mitte der 90er Jahre zu den Arbeitsschwerpunkten des Referats für Arten- und Gewässerschutz.
Die Wiederherstellung der stromaufwärts gerichteten Durchgängigkeit ist heute technisch weitgehend lösbar. Für fast jedes Querbauwerk bestehen verschiedene Möglichkeiten, die Durchwanderbarkeit wiederherzustellen. Vom Rückbau in eine raue Rampe angefangen, über den Bau von Umgehungsgewässern, den Bau von naturnahen Fischwanderhilfen oder der Errichtung technischer Fischpässe. Wenn heute Wanderhilfen unter Berücksichtigung der wichtigen Kriterien (Abfluss, Gefälle, Lockströmung, Fischarteninventar) nach dem Stand der Technik gebaut werden, sind sie in der Regel für alle Fischarten- und Größenklassen durchwanderbar und damit funktionsfähig.
Bei der stromabwärts gerichteten Durchwanderbarkeit an Wasserkraftanlagen sieht es anders aus. Bleibt bei der Abwärtswanderung nur der Weg durch die Turbine, endet das für Fische in der Regel mit Verletzungen oder dem Tod. Derzeit bestehen nur für Wasserkraftwerke kleinerer Fließgewässer praktikable Lösungen (Fischabweiser, Rechen, Bypässe etc.), den Fischen eine weitgehend ungestörte Abwärtswanderung über größere Distanzen zu ermöglichen.
Neben Untersuchungen zur Funktionsfähigkeit und Optimierung von Fischwanderhilfen wurden seit Mitte der 90er Jahre Kartierungen der Durchgängigkeit durch den LFV Bayern in Auftrag gegeben und betreut. Sämtliche Projekte des LFV Bayern wurden maßgeblich aus Mitteln der Fischereiabgabe finanziert.
Nun kann man sich fragen, wozu man die Kartierung der Durchgängigkeit eigentlich braucht und ob es nicht besser wäre, das Geld allein für die Wiederherstellung der Durchgängigkeit und nicht für Kartierungen auszugeben.
Auch wenn die meisten Querbauwerke den Flussbaumeistern der Wasserwirtschaftsämter bekannt sind, so fehlte früher doch eine Zusammenschau, über das wirkliche Ausmaß der Zerstücklung bayerischer Fließgewässer.
Die Kartierungen haben den dringenden Handlungsbedarf deutlich gemacht und Entscheidungsträger in den Behörden wachgerüttelt. Es ist bei der Wiederherstellung der Durchgängigkeit im Übrigen nicht egal, welches Querbauwerk zuerst durchgängig gemacht wird. Hier gibt es bzgl. der ökologischen Notwendigkeit und Wirkung mitunter sehr große Unterschiede. Querbauwerke in Gewässern, in denen natürlicher Weise die Langdistanzwanderer Aal und Lachs vorkamen, kommt fischökologisch eine hohe Priorität zu, da beide Fischarten zwingend auf eine großräumige Durchgängigkeit angewiesen sind.
Die Vernetzung der Lebensräume sollte insbesondere solche Gewässerabschnitte umfassen, in denen noch intakte und stabile Fischpopulationen vorkommen. Von dort aus kann eine natürliche Wiederverbreitung gefördert werden. Die Vernetzung großer Nebengewässer mit den Hauptwanderachsen (Donau/ Main) ist von zentraler Bedeutung. Nachdem der Migrationsbedarf der Fische vom Unterlauf in Richtung Mittellauf sukzessive abnimmt, sollten mündungsnahe Querbauwerke bevorzugt werden (von groß nach klein; von unten nach oben). Es ist sinnvoller, Querbauwerke an Gewässerstrecken durchgängig zu machen, wenn der Lebensraumzugewinn sich auf viele Kilometer erstreckt, als wenn man in einer engen Reihe von unüberwindbaren Querbauwerken in der Mitte ein einzelnes durchgängig macht.
Selbstverständlich ist es das Ziel, überall dort wo die Gewässer früher durchgängig waren, langfristig auch wieder eine freie Durchgängigkeit herzustellen. Trotzdem ist es für den optimalen Mitteleinsatz sinnvoll, Prioritätenlisten zu erarbeiten.
Die Durchgängigkeit der Gewässer I. und II. Ordnung in Niederbayern, Mittelfranken, Oberfranken und Unterfranken ist heute weitgehend kartiert. In Schwaben sind neben den Gewässern I. und II. Ordnung auch die Gewässer III. Ordnung erfasst. Darüber hinaus liegt eine vollständige Durchgängigkeitskartierung der bayerischen Donau und ihrer wichtigsten Zuflüsse sowie eine Reihe von Durchgängigkeitskartierungen ausgewählter Teileinzugsgebiete der Donau vor. Seit über 10 Jahren erfolgen eine enge Zusammenarbeit und ein reger Austausch zwischen den zuständigen Behörden des Umweltministeriums und den Fischereiverbänden. Alle im Auftrag des LFV Bayern, der Bezirksfischereiverbänden sowie der Wasserwirtschaft erhobenen Daten (derzeit ca. 13.000 Querbauwerke) liegen heute in einer zentralen Datenbank des Landesamtes für Umwelt vor.
Seit Mitte der 90er Jahre wurden hunderte von Querbauwerken wieder durchgängig gestaltet. Nicht zuletzt aufgrund der Aktivitäten des LFV Bayern ist es gelungen große Fließgewässer über viele Kilometer wieder durchgängig zu machen. Trotz allem gibt es an den restlichen, vielen Tausend Querbauwerken noch enormen Handlungsbedarf.
Das Umweltministerium ist derzeit dabei, ein Strategisches Durchgängigkeistkonzept für Bayern zu erarbeiten. Aus Sicht des Landsfischereiverbandes ist dies eine sehr erfreuliche Entwicklung, die nicht zuletzt durch die Bemühungen und finanziellen Anstrengungen der Fischereiverbände seit den 90er Jahren nun endlich auf dem richtigen Weg ist. Die Vorleistungen der Fischereiverbände erweisen sich für Bayerns Fische als großer Vorteil.
Strategisches Durchgängigkeitskonzept Bayern
Natürliche Fließgewässer mit ihren Lebensräumen und Strukturen sind für Gewässerorganismen i.d.R. durchgängige und vernetzte Systeme (=Biologische Durchgängigkeit). Bis auf wenige natürliche Ausnahmen (z.B. gefällereiche Oberläufe in den Alpen oder Mittelgebirgen) wären die bayerischen Gewässer von Natur aus für Fische frei durchwanderbar. Eine eingeschränkte bzw. unterbundene biologische Durchgängigkeit kann sich gravierend auf die Bestandsentwicklung der Fische auswirken. Fische wandern innerhalb ihrer Flussgebiete und suchen in ihrem Lebenszyklus unterschiedlichste Habitate auf.
Im Hinblick auf die ökologische Wirksamkeit zeigt sich für Bayern, dass das Maineinzugsgebiet für Wanderfische eine andere Bedeutung hat als das Donausystem. Die im Maineinzugsgebiet (potentiell) geeigneten Lebensräume für die vorkommenden kata- und anadromen Arten brauchen eine Verbindung über den Main zum Rhein und letztlich zur Nordsee. Die für das Donausystem charakteristischen potamodromen Fischarten wandern während ihres Lebenszyklus in den Binnengewässern und wechseln teilweise auch zwischen unterschiedlichen Fischregionen. Die Vernetzung der Teillebensräume (bis zu rund 100 km) ist i.d.R. ausreichend.
Aufgrund der aktuellen Monitoring-Ergebnisse im Zuge der Umsetzung der EG-WRRL bestätigt sich die Tatsache der eingeschränkten Gewässervernetzung, da vielfach Defizite bei den Parametern festgestellt wurden, die die „Migration “ (Durchwanderbarkeit) anzeigen. Sofern dies dazu führt, dass der gute ökologische Zustand natürlicher Oberflächenwasserkörper (OWK) bzw. das gute ökologische Potential für erheblich veränderte Wasserkörper (HMWB) verfehlt wird, bedarf es entsprechender Maßnahmen dieses Ziel zu erreichen.
Zwei-Säulen-Prinzip
Die Bayerische Wasserwirtschaftsverwaltung praktiziert seit Jahrzehnten einen pragmatischen und maßnahmenorientierten Weg die biologische Durchgängigkeit sukzessive zu verbessern. Die gängige Praxis (Säule 1) bedeutet, die Durchgängigkeit „immer dort, wo möglich und sinnvoll“ zu verfolgen, d.h. im Rahmen der Gewässerunterhaltung und des Ausbaus von Gewässern sowie von Wasserrechtsverfahren für Wasserkraftanlagen oder freiwilliger ökologischer Verbesserungen insbesondere nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Säule 1 dient dazu, in einer Übergangszeit bereits laufende Projekte abzuschließen und vorhandene Planungen umzusetzen.
Mit der Säule 2 wird auf der strategischen Planungsebene die systematische Verbesserung der Durchgängigkeit und der hydromorphologischen Strukturen im Rahmen eines bayernweiten Gesamtkonzeptes zur Umsetzung der EG-WRRL verfolgt.
Gesamtkonzept Durchgängigkeit für Bayern (Säule 2)
Grundsatzziel des Durchgängigkeitskonzeptes ist eine transparente und auf nachvollziehbaren Kriterien basierende Auswahl der Querbauwerke, die zeitlich vorrangig durchgängig gestaltet werden sollen.
Schritt 1:
In einem ersten Auswahlschritt im Prozess der Priorisierung wurden aus dem WRRL-relevanten Fließgewässernetz (>10 km2 Einzugsgebiet) die fischfaunistischen Vorranggewässer bestimmt. Auswahlkriterien waren hierbei die Verbreitungsgebiete und aktuellen Vorkommen von Wanderfischen der FFH-Richtlinie, Anhang II, sowie der Roten Liste basierend auf den Ergebnissen der Fischartenkartierung. Berücksichtigt wurden außerdem die Referenzbiozönosen gemäß EG-WRRL.
Für die großen staatlichen Gewässer (Donau mit ihren großen Zuflüssen Iller einschl. Stadtgebiet Kempten, Lech einschließlich Forggensee, Isar, Inn sowie der schiffbare Main) wird im Rahmen des Masterplanes „Wasserkraft und Durchgängigkeit“ ein Durchgängigkeitskonzept erarbeitet, das integraler Bestandteil des Strategischen Gesamtkonzeptes werden soll.
Schritt 2:
Soweit noch nicht erfolgt sollen bis Mitte 2009 alle bestehenden Querbauwerke an den fischfaunistischen Vorranggewässer erfasst, hinsichtlich ihrer aktuellen Durchgängigkeit nach einem einheitlichen System bewertet und in die Datenbank Querbauwerke aufgenommen werden. Die Kartierung der Querbauwerke an den fischfaunistischen Vorranggewässern liefert die Datengrundlage für die Erstellung des Durchgängigkeitskonzeptes für Bayern.
Schritt 3:
Innerhalb der fischfaunistischen Vorranggewässer erfolgt unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Monitorings nach EG-WRRL anhand eines fachlichen Kriterienkataloges sowie unter Einbeziehung von Expertenwissen eine weitere Priorisierung. Die Kriterien werden auf Basis einer qualitativen Expertenabschätzung einer Gewichtung unterzogen:
Jedem nicht durchgängigen Querbauwerk bzw. dem entsprechenden Fließgewässerabschnitt wird, unter Gewichtung der nachfolgend beschriebenen Kriterien ein Prioritätsgrad zugeordnet.
• Kriterium: Vorrangig zu vernetzende Gewässerabschnitte
Die Vernetzung der Lebensräume soll vor allem solche Gewässerabschnitte umfassen, in denen noch intakte und stabile Fischpopulationen vorkommen. Von dort aus kann eine natürliche Wiederverbreitung gefördert werden. Dies gilt auch für Verbindungsgewässer, die laterale Vernetzungseinheiten bilden.
• Kriterium: Lebensraumzugewinn
Zugewinn an potentiellem Lebensraum durch Herstellung der Durchgängigkeit an einem Querbauwerk
• Kriterium: Lage der Querbauwerke im Gewässerverbundsystem
Der Migrationsbedarf der Fische nimmt vom Unterlauf und Mittellauf zum Oberlauf sukzessive ab. Vorrangig betrachtet werden daher mündungsnahe Querbauwerke bevorzugt an den größeren Seitengewässern, ausgehend von Donau und Main und den größeren Zuflüssen („von groß nach klein“ und "von unten nach oben“).
Anhand dieser Bewertung erfolgt die fachliche Priorisierung.
Schritt 4:
Als nächster Schritt sind die technischen und rechtlichen Gesichtspunkte zu prüfen.
Mit der Priorisierung von Vorranggewässern und der Verbesserung der Durchgängigkeit an ausgewählten Querbauwerken wird eine fachlich fundierte, nachvollziehbare Vorgehensweise vorgelegt, orientiert an der technisch-rechtlichen Machbarkeit und Kostenwirksamkeit.
Durchgängigkeit der Donau
Im Rahmen des AHP Sterlet wurde das Teilprojekt “Durchgängigkeitskartierung der Donau“ an das Büro für Naturschutz, Gewässer- und Fischereifragen in Auftrag gegeben. Ziel des Projekts waren die Erfassung und Kartierung aller Querbauwerke in der bayerischen Donau zwischen der deutsch-österreichischen Staatsgrenze und der Landesgrenze zu Baden-Württemberg, sowie die Erfassung und Kartierung des jeweils ersten Querbauwerkes in den größeren potamalen Zuflüssen. Darüber hinaus wurden eine Fotodokumentation der Querbauwerke angefertigt und die relevanten Daten der Querbauwerke in die MS Access-Datenbank des LFV Bayern e.V. übertragen. Nachfolgend werden die Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus dem Bericht auszugsweise vorgestellt:
Die ökologische Durchgängigkeit ist heute in der bayerischen Donau zwischen der Staatsgrenze zu Österreich (Stufe Jochenstein) und der Landesgrenze bei Ulm (Stufe Böfingen), mit Ausnahme zweier längeren noch durchgängigen Abschnitte, nicht mehr vorhanden. Rund 60 % des insgesamt etwa 370 km langen Flussbereiches sind für Fische und andere Wasserorganismen nicht passierbar und in Flussfragmente zerteilt, deren fischökologische Funktionsfähigkeit sehr stark eingeschränkt ist. Auch die laterale Konnektivität zwischen dem Hauptfluss und den Auelebensräumen ist vom Flächenumgriff her gesehen drastisch reduziert und im Wesentlichen auf den Bereich der Restfließstrecken beschränkt.
Die Ergebnisse der fischfaunistischen Untersuchungen verschiedener Donauabschnitte machen deutlich, dass der Zustand der Fischfauna überaus eng mit den longitudinalen und lateralen Vernetzungsverhältnissen, also mit der Durchgängigkeit, verknüpft ist. Überall dort, wo größere zusammenhängende Fluss-Aue-Lebensräume noch vorhanden sind oder wo durch funktionsfähige Fischaufstiegshilfen wieder ein geeigneter Biotopverbund hergestellt wurde, liegen naturschutzfachlich, ökologisch und fischereilich überregional bedeutende Fischbestände vor. Hier ist auch ein “guter ökologischer Zustand“ der Fischfauna nach den Bewertungsgrundlagen der EU-Wasserrahmenrichtlinie festzustellen. Hervorzuheben ist dabei, dass sich auch in gestauten Bereichen, wenn die Durchgängigkeit wiederhergestellt wird und dabei Restfließstrecken und/oder Nebengewässer angebunden werden bzw. ein größerer Biotopverbund mit allen notwendigen fischökologischen Teilhabitaten hergestellt wird, ein guter ökologischer Zustand der Fischfauna erreichen lässt.
Angesichts ihrer bedeutenden, im mitteleuropäischen Kontext immer noch einzigartigen Fischfauna, ist die bayerische Donau als fischfaunistisches “Schlüsselgebiet“ für den Freistaat Bayern anzusehen. Hier bzw. in unmittelbarer Nachbarschaft an der Grenze zu Österreich liegen drei fischfaunistische Kernzonen mit überregional bzw. bundesweit bedeutsamer Fischfauna vor. Damit beheimatet die Donau einen sehr wertvollen Genpool wesentlicher Leitarten der heimischen, teils endemischen Fischfauna. In den drei Kernzonen liegen nach wie vor große stabile und ausbreitungsfähige Populationen vieler systemtypischer Flussfischarten vor.
In den mehrfach gestauten, nicht mehr durchgängigen Donauabschnitten sind dagegen deutliche fischfaunistische Defizite festzustellen (Artenschwund, Bestandsrückgänge, gestörte Populationsstruktur, Dominanzverschiebungen), welche bei flusstypischen Charakterarten, wie der Nase, besonders zum Tragen kommen. Eine Hauptursache solcher Defizite ist die fehlende Durchgängigkeit.
Die Herstellung der Durchgängigkeit ist ein geeignetes Mittel, um die fischfaunistische, die gewässerökologische und die fischereiliche Situation deutlich zu verbessern und sollte für die Donau als Hauptverbindungsgewässer des gesamten Einzugsgebietes oberste Priorität genießen.
Mit der Herstellung der Durchgängigkeit, ggf. kombiniert mit sonstigen Biotopverbesserungs-maßnahmen, kann der gute ökologische Zustand bzw. das gute ökologische Potenzial gemäß EU-WRRL in Bezug auf die Fischfauna erreicht werden.
In der Studie wurden in einem ausführlichen Bericht mit Fotos und Karten Vorschläge für die Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Donau gemacht.
Der LFV Bayern ist der Bitte des Umweltministeriums und der Firma EON nachgekommen und hat die Pilotstudie der Firma EON für die Erarbeitung eins bayernweiten Masterplans für die Wiederherstellung der Durchgängigkeit bayerischer Fließgewässer zur Nutzung zur Verfügung gestellt. Damit hat der LFV Bayern zum einen seine Vorreiterrolle in Bezug auf die Wiederherstellung der Durchgängigkeit erneut unter Beweis gestellt, darüber hinaus konnten mit der Studie wesentliche Akzente im Sinne der bayerischen Fischerei gesetzt werden, die nun im oben genannten Masterplan berücksichtigt werden.
Projektdurchführung: Dr. K. Seifert
3.3 Wasserkraftnutzung
Nur wenige Gewässerstrecken sind auch heute noch in einem naturnahen Zustand. Sie stellen wertvollen Lebensraum und letzte, unverzichtbare Rückzugsgebiete für fließgewässertypische Lebensgemeinschaften dar. In ökologisch besonders wertvollen Gewässerstrecken sollen daher gemäß der Neufassung der Kriterien für ökologisch besonders wertvolle Gewässerstrecken des Restwasserleitfadens des StMLU, keine neuen Kleinwasserkraftwerke mehr errichtet werden. Die Funktion als Lebensraum ist in diesen Gewässerabschnitten zu erhalten bzw. zu verbessern. Diese „Tabuzonen“ sollen an bayerischen Gewässern ausgewiesen werden. Diese vorgeschlagenen Tabuzonen sollen für den weiteren Ausbau der Wasserkraftnutzung nicht mehr zur Verfügung stehen.
Es gibt einen erheblichen Zielkonflikt zwischen Klimaschutz auf der einen Seite und Gewässer- und Naturschutz auf der anderen Seite. Da Klein- und Kleinstkraftwerke einen kaum messbaren Beitrag zur Reduzierung der CO2-Reduktion leisten, aber wertvolle Gewässerlebensräume unwiederbringlich zerstören, sollte auf ihren Ausbau und auf ihre Förderung durch den Staat verzichtet werden.
An die Anwaltskanzlei Sibeth wurde ein Rechtsgutachten mit folgendem Titel in Auftrag gegeben: „Altrechte an Wasserkraftanlagen in Bayern insbesondere im Lichte der konfligierenden Gemeinwohlbelange des Schutzes der Fischfauna und der Wasserkraftnutzung“.
Dieses Gutachten kann beim LFV Bayern bezogen werden. Es soll den Wasserrechtsbehörden sowie Betroffenen zur Verfügung gestellt werden, damit zukünftig bei der Konfliktbewältigung die Interessen der Fischerei stärker berücksichtigt werden.
Im Folgenden werden zwei Projekte des LFV Bayern, die sich mit den ökologischen Auswirkungen der Wasserkraft beschäftigen, kurz dargestellt. Die Projekte wurden in Zusammenarbeit mit der TU-München, den fischereilichen Behörden und den Fischereiberechtigten durchgeführt.
Link zum Positionspapier Wasserkraft
3.3.1 Vermeidung von Fischschäden im Kraftwerksbereich
Auszug aus dem Projektendbericht der TU München (Lehrstuhls und Versuchsanstalt für Wasserbau und Wasserwirtschaft sowie dem Department für Tierwissenschaften, Fachgebiet Fischbiologie)
In den letzten Jahrzehnten ist ein starker Rückgang der Aalbestände in Europa zu verzeichnen. Verschiedene natürliche und anthropogen verursachte Veränderungen werden als Gründe für diese Abnahme diskutiert. Als mögliche Ursachen vermutet man die Veränderung des Golfstromes durch den Klimawandel, den Befall mit dem Schwimmblasenparasit Anguillicola crassus und den verstärkten Prädationsdruck durch Fisch fressende Vögel. Aber auch die Fischerei – insbesondere die Glasaalfischerei - und der Verlust von Habitaten z. B. durch Nutzbarmachung von Land in den Mündungsgebieten haben negative Auswirkungen auf die Aalpopulationen. Ein weiteres Problem stellt die mangelnde Konnektivität vieler Aalgewässer dar. Der Aal ist als katadromer Wanderfisch darauf angewiesen, dass er als von der Küste kommender Jungfisch flussaufwärts wandern kann und bei Erreichen der Geschlechtsreife über die Flüsse wieder das Meer erreichen kann. Querbauwerke wie Wasserkraftanlagen stellen daher für Aale ein nahezu unüberwindbares Hindernis dar. Die natürliche Aufwärtswanderung der Aale wird oftmals umgangen, indem Glasaale an der Küste gefangen und dann in die stromaufwärts gelegenen Stauhaltungen der Flüsse besetzt werden. Dort wachsen die männlichen Tiere bis zu acht Jahren und die weiblichen Tiere bis zu 15 Jahre heran. Wenn Sie dann als subadulte Tiere ihre flussabwärts gerichtete Wanderung aufnehmen wollen, haben Sie nur bei Hochwasser die Möglichkeit, die Stauhaltungen weitgehend unbeschadet zu verlassen. Sind sie gezwungen, über die Turbinen abzuwandern, werden viele Aale während der Passage verletzt oder getötet. Die Verletzungs und Mortalitätsraten hängen dabei von vielen Parametern ab. Als wichtigste sind die Bauart der Turbine, der Turbinendurchfluss und die Fischlänge zu nennen. Für das Kraftwerk Dettelbach errechnet sich eine mittlere Ausfallrate von 28 %. Es wurden dabei getötete und nicht mehr schwimmfähige Aale zusammengefasst. Da die Aale bis zum Erreichen des Meeres mehrere Kraftwerke überwinden müssen, potenzieren sich die Ausfallraten dem entsprechend. Aus diesem Grund erreichen aus einigen Gewässern praktisch keine Aale das Meer.
Aus diesem Grund fordert die Europäische Union die Ausarbeitung von Aalbewirtschaftungsplänen: „Ziel jedes Aalbewirtschaftungsplans ist es, die anthropogene Mortalität zu verringern und so mit hoher Wahrscheinlichkeit die Abwanderung von mindestens 40 % derjenigen Biomasse an Blankaalen ins Meer zuzulassen, die gemäß der bestmöglichen Schätzung ohne Beeinflussung des Bestands durch anthropogene Einflüsse ins Meer abgewandert wäre“ (EU VERORDNUNG (EG) NR. 1100/2007).
Um dieses Ziel zu erreichen, werden verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen. Eine Möglichkeit stellt eine angepasste Betriebsweise der Kraftwerke dar. Während der Aalwanderung werden die Turbinen abgeschaltet und gleichzeitig die Wehrfelder geöffnet, so dass die Tiere unbeschadet abwandern können. Diese Vorgehensweise setzt jedoch die genaue Kenntnis der Aalwanderperioden voraus, und ist für die Betreiber der Wasserkraftanlagen mit finanziellen Einbußen verbunden. Während man mittlerweile über einen guten Kenntnisstand bezüglich der Gestaltung von Fischaufstiegsanlagen verfügt, herrscht noch ein großes Wissensdefizit was die Konstruktion von Fischabstiegsanlagen betrifft. Aus diesem Grund wird an der Entwicklung von strukturellen Maßnahmen zur Ableitung der Aale gearbeitet. Die Versuchsanlage Dettelbach für flussabwärts wandernde Fische soll dazu beitragen, diese Wissenslücke zu schließen.
Die Bypassanlage wurde am Mainkraftwerk Dettelbach bei Flusskilometer 295,5 errichtet. Die gute Kooperation mit dem Kraftwerksbetreiber, geeignete Bedingungen vor Ort und umfangreiche Untersuchungen an der Anlage in den Jahren 1996 - 1999 waren der Grund dafür, dass man sich für diesen Standort entschied. Die Bypassanlage besteht aus baulichen und mobilen Einrichtungen. Zu den Bauwerken zählen die Bypassanlage, die Fangkammern, die Leiteinrichtungen und diverse bauliche Anpassungen und Ergänzungen. Diese werden durch mobile Einrichtungen, wie beispielsweise die Hamen im Unterwasser der Turbinen und einen Ponton zur Entleerung der Hamen, ergänzt.
Erkenntnisse und Empfehlungen aus dem Projekt
Die Effektivität der Bypassanlage blieb bislang hinter den Erwartungen zurück. Die hohen Ableitungsraten, die im kleinen Maßstab der Versuchsanlage in Obernach erreicht wurden, konnten im großen Maßstab nicht verwirklicht werden. Trotzdem wurden aus dem Betrieb der Bypassanlage wertvolle Erkenntnisse gewonnen, die für andere Projekte, die sich ebenfalls mit der Ableitung von Aalen an Kraftwerksanlagen beschäftigen, hilfreich sein werden. Im folgenden Abschnitt sollen daher noch einmal die Ursachen für die geringe Effektivität der Anlage diskutiert und die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst werden.
Bypassdotation
Die größte Schwierigkeit während des Versuchsbetriebs stellten die kurzen Zeitfenster dar, in denen eine Aalwanderung stattfand. Um belastbare Aussagen über die Funktionsfähigkeit der Anlage bei verschiedenen Dotationen sowie über die Wirksamkeit von baulichen Veränderungen treffen zu können, würde man idealer Weise einige hundert abwanderungswillige Blankaale pro Nacht benötigen. Da derartige Abwanderungsraten nur an wenigen Tagen pro Jahr erreicht wurden, verlief die schrittweise Verbesserung der Anlage nur sehr langsam. So zeigte sich im Jahr 2005, dass die Dotation des Bypasses nach Betriebsvorschrift nicht ausreichend war. Ein Jahr darauf konnte gezeigt werden, dass durch die deutliche Erhöhung der Bypassdotation eine beachtliche Anzahl an Aalen über den Bypass abgeleitet werden konnten. Die ungünstigen Abflussverhältnisse im Herbst 2007 schränkten den Versuchsbetrieb derart ein, dass keine Aussagen über die Wirksamkeit der weiteren Erhöhung der Bypassdotation getroffen werden konnten. Somit kann trotz des mehrjährigen Versuchsbetriebs noch keine optimale Beaufschlagung der Bypassanlage in Abhängigkeit vom Gesamtabfluss im Main genannt werden.
Aktive / passive Ableitung
Bessere Aussagen lassen sich über die unterschiedliche Wirksamkeit des passiven und des aktiven Bypasssystems treffen. Der passive Bypass, der jene Aale ableiten soll, die vor der Turbine umkehren, wurde deutlich besser angenommen als der aktive Bypass. Es fiel auf, dass die Aale im aktiven Bypass oftmals Schäden von vorherigen Turbinenpassagen aufwiesen. Die beabsichtigte Wirkungsweise der Leitelemente, grundnah driftende Körper entlang der Schwellen zur Bypassöffnung zu leiten, scheint also durchaus gegeben zu sein. Dies bestätigt auch die große Menge an Laub, die sich im aktiven Bypass ansammelte. Trotzdem folgten die meisten unverletzten Aale nicht der Schwelle B, sondern schwammen über sie in Richtung Kraftwerk hinweg. Auch die Erhöhung dieser Leitstruktur durch die aufgesetzten Borstenbündel brachte keine Verbesserung der Akzeptanz. Der Einbau der einen Meter hohen Schwelle C veränderte die Situation ebenso nicht. Zusammenfassend kann die „aktive“ Ableitung wanderungswilliger Aale vor den Turbinen als nicht Ziel führend bezeichnet werden. Die Ableitung der Aale, die am Einlaufrechen umkehren und nach Alternativrouten suchen, erscheint hingegen als Erfolg versprechende Variante. Die Verlängerung der Schwelle A zählt daher zu den baulichen Veränderungen, die am ehesten zu einer Verbesserung der Anlage führen könnte. Derzeit erfasst diese Leiteinrichtung nur den Bereich oberhalb der landseitigen Turbine. Eine Verlängerung der Schwelle über den gesamten Einlaufbereich würde auch die Aale vor der wehrseitigen Turbine erreichen und könnte daher eine Verbesserung der Bypasseffektivität bewirken.
Die Effektivität des passiven Bypasses hängt jedoch nicht nur von der Wirksamkeit der installierten Leitelemente ab, sondern auch vom lichten Stababstand des Einlaufrechens vor der Turbine. Obwohl es leider nicht möglich war, dies eindeutig durch Messungen zu belegen, geht man davon aus, dass ein kleiner Stababstand wesentlich dazu beiträgt, die Aale zum Umkehren und zum Suchen nach Ausweichrouten zu bewegen. Der Rechenoverlay leistete vermutlich einen essentiellen Beitrag zur Effektivität der Bypassanlage.
Beleuchtung
Die Kombination von erhöhtem Abfluss und beleuchteten Borstenelementen veränderte die Akzeptanz des aktiven Bypasssystems nicht merklich. Aufgrund der kurzzeitigen Wanderperiode konnten zwar keine Vergleichsdaten mit der Kombination erhöhte Bypassdotation / unbeleuchtete Schwelle erhoben werden, die Verteilung der Fänge auf die beiden Bypasssysteme lässt allerdings den Schluss zu, dass die Beleuchtung allenfalls einen sehr geringen Einfluss auf die abwandernden Aale ausübte. Obwohl aus der Literatur verschiedene Fälle bekannt sind, bei denen Blankaale durch Beleuchtung sowohl im Labormaßstab als auch im Freiland erfolgreich abgelenkt werden konnten, wurde an der Versuchsanlage kein derartiger Effekt beobachtet. Trotzdem sollten noch weitere Untersuchungen über die Wirkung von Licht auf Blankaale folgen. Dazu sollten die Beleuchtungselemente allerdings nicht im Bereich der Schwellen, sondern im Einlaufbereich der Turbinen angebracht werden. Die Beleuchtung würde somit nicht mehr auf das aktive, sondern auf das passive Bypasssystem einwirken. Zukünftiger Betrieb der Anlage Der Versuchsbetrieb in Dettelbach sollte auf jeden Fall weitergeführt werden. Auch wenn es künftig nicht mehr möglich sein wird, Hamenbefischungen durchzuführen, kann der alleinige Betrieb des Bypasses wertvolle Erkenntnisse liefern. Sollte die weitere Erhöhung der Bypassdotation auf ca. 1 m³/s, die aufgrund der ungünstigen Abflussverhältnisse zur Hauptwanderzeit 2007 nicht getestet werden konnte, einen gewichtigen Einfluss auf die Fangeffektivität der Bypassanlage haben, so wird sich dies möglicherweise auch auf die absoluten Fangzahlen gemessen in „Aal pro Stunde Bypassbetrieb“ positiv auswirken. Insgesamt wurden nur wenige Individuen anderer Fischarten außer dem Aal in der Bypassanlage gefangen. Dies ist vermutlich auf die Jahreszeit des Bypassbetriebs zurückzuführen.
Möglicherweise wird der Bypass im Frühjahr oder im Sommer gut von anderen Arten angenommen, da z. B. die meisten Cypriniden dort die größte Wanderaktivität aufweisen. Derartige Fragestellungen waren nicht Gegenstand des Projekts, und wurden deshalb auch nicht untersucht. Hier könnten weitere Untersuchungen wertvolle Erkenntnisse liefern.
Die Untersuchungen fanden im Rahmen einer Projektpartnerschaft zwischen dem Freistaat Bayern, dem Landesfischereiverband Bayern e.V., der E.ON Wasserkraft GmbH und dem Bezirk Unterfranken statt. Die Projektpartner bilden gemeinsam mit hinzugezogenen Fachleuten aus verschiedenen Behörden und Institutionen eine Arbeitsgruppe, welche die wissenschaftlichen Untersuchungen begleitet und die Arbeitsberichte entgegennimmt.
Projektdurchführung: TU München
Link zum Projektendbericht
3.3.2 Überprüfung von kleineren Wasserkraftanlagen mit Fischschutzeinrichtungen
Johannes ergänzen
In den letzten Jahren kamen in Bayern immer wieder so genannte „Fisch-schonende“ Kleinwasserkraftwerke zum Einsatz, z.B. an Mindel, Auermühlbach und Wörnitz. Spezielle Turbinenformen (Schnecken) oder Rechenkonstruktionen mit Bypässen sollen Fische vor Turbinenschäden bewahren. Unklar bleibt allerdings, ob und wie effektiv diese Techniken tatsächlich sind.
Um diese Unklarheit zu beseitigen, wurden im Rahmen dieses Projekts Kontrollen der Kraftwerkspassage durchgeführt. Dazu wurden unterhalb ausgewählter Kleinkraftwerke Hamenbefischungen durchgeführt. Mit den Ergebnissen wurde eine Bewertung der jeweiligen Fischschutztechnik vorgenommen. Die Untersuchungen werden 2008 fortgeführt und wie geplant im Laufe des Jahres abgeschlossen. Projektendbericht steht voraussichtlich ab Frühjahr 2009 zur Verfügung.
Projektdurchführung: B. Tombek & Dr. M. Holzner
3.3.3 Projekt: Schwellbetrieb
Schwellbetrieb ist eine Form der Wasserkraftnutzung, bei der nahezu täglich unnatürlich hohe Abflussschwankungen generiert werden, um Spitzenstrom zu produzieren. Diese menschlichen Eingriffe in die Abflussdynamik eines Flusses wirken sich in verschiedener Form nachteilig auf Fische und andere Gewässerorganismen aus.
Seit Sommer 2005 wird durch den Landesfischereiverband Bayern in Kooperation mit der Technischen Universität München, Arbeitsgruppe Fischbiologie, das Projekt „Schwellbetrieb“ bearbeitet. Das Ziel ist dabei eine wissenschaftliche Dokumentation und Aufarbeitung von Effekten des Schwellbetriebs auf das Gewässer. Weiterhin soll eine Beurteilung von verschiedenen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen erfolgen. Dabei kommen sowohl Freilanduntersuchungen wie auch Modellversuche in einer Anlage zum Einsatz. Der überwiegende Anteil der Freilanduntersuchung findet am bayerischen Lech statt.
Im Freiland wurden im Frühjahr wie in den vergangenen Jahren an verschiedenen Abschnitten des Lechs Brutzählungen bei der Äsche durchgeführt. Zum einen fand dies an der Litzauer Schleife, einer Schwallstrecke, statt, zum anderen im Alten Lech, in dem relativ konstante Abflussverhältnisse herrschen. 2007 zeigte sich in der Schwallstrecke aufgrund intensiver Schwallabflüsse im Frühjahr ebenso wie 2003 eine deutliche abnehmende Zahl an Brütlingen von Oberstrom nach Unterstrom. Insgesamt lag die Zahl bezogen auf 1m Uferlinie deutlich unter der vom Vorjahr 2006 mit einem konstanten Abfluss, wo sie sogar die Zahl im Vergleichsabschnitt ohne Schwellbetrieb übertraf. Gleichzeitig war in der Schwallstrecke wie 2003 ein Anstieg der Brutdichte in Richtung Staubereich feststellbar, während die Zahl in den oberhalb gelegenen Brutarealen zunehmend rückläufig war.
Bei verschiedenen Befischungen wurde auch im Jahr 2007 die Zusammensetzung des Fischbestandes in Hinblick auf Altersstrukturen und Biomasse untersucht. Die Fangzahlen lagen wie zuvor deutlich unter dem Potential, das im Verhältnis zur Gewässerstruktur zu erwarten wäre. Ebenso wie in den Jahren 2003 bis 2006 waren in der Litzauer Schleife außer beim Aitel keine sich selbst reproduzierenden Cypriniden wie Barbe oder Nase auszumachen. Kleinfischarten waren mit Ausnahme der Koppe nicht feststellbar.
Neben den Freilandversuchen wurden im Frühjahr 2007 auch Untersuchungen in einem Strömungskanal getätigt. Dabei wurde die Schlupfrate von Äschen- und Hucheneiern in künstlich angelegten Laichplätzen bei konstantem und geschwalltem Abfluss miteinander verglichen. Dabei zeigte sich bei den konstanten Abflüssen eine wesentlich höhere Schlupfrate als in den Kanalabschnitten mit wechselnden Abflüssen. Bei den Äschen lag das Schlupfergebnis ohne Schwall um rund 13,2 %, bei den Huchen sogar um etwa um 16,8 % höher als in den Abteilen mit Schwall.
Basierend auf dieser Untersuchungsmethodik wurden im Oktober 2007 am Lech spezielle Boxen an mehreren Laichplätzen mit und ohne Schwellbetrieb eingebracht, um den Einfluss von täglichen Strömungsveränderungen und Wasserstandsschwankungen auf den Schlupf von Bachforelleneiern zu untersuchen. Mit ersten Ergebnissen kann voraussichtlich im Februar 2008 gerechnet werden.
Derzeit findet neben den verschiedenen Untersuchungen auch eine bayernweite Erfassung von Schwellbetrieb statt. Dazu wurde ein Rundschreiben an alle Landratsämter in Bayern versendet und im Rahmen des Umweltinformationsgesetzes um Rückmeldung gebeten. Anhand der bisherigen Einsendungen können im Hinblick auf die Durchführung von Schwellbetrieb bereits Oberbayern und Schwaben als diejenigen Bezirke genannt werden, in welchen diese Form der Wasserkraftnutzung am häufigsten und intensivsten praktiziert wird. Eine gesamtheitliche Einschätzung und Beurteilung der Situation ist jedoch erst nach der Rückmeldung aller Landratsämter möglich.
Projektdurchführung: TU München (Institut für Wildbiologie)
Projektdurchführung: TU München (Fischbiologie)
3.4 Problematik veränderter Abflussbedingungen, vergleichmäßigte Abflüsse
Bisherige Untersuchungen des Referats für Arten- und Gewässerschutz zeigten, dass vereinheitlichte Abflüsse eine Degradierung der Fischlebensräume bewirken. Ohne Abflussschwankungen verschlammen und verfestigen Kiesbänke. Kehrwasser, Altarme und Buchten veralgen und verlanden.
Um zu zeigen, wie man durch gezielte Abflussdynamisierung solche Degradierungserscheinungen vermeiden und möglicherweise gar umkehren kann, sollen im Rahmen dieses Projekts beispielhafte Untersuchungen mit Abflussdynamisierungen an Günz und Moosach durchgeführt werden. Der Schwerpunkt der Beobachtung liegt auf Sedimentqualität, Algenbewuchs, Fortpflanzungsmöglichkeiten der Fische und Fischbestandsentwicklung. 2007 wurde die notwendigen Versuchstrecken festgelegt und die notwendigen Vorbereitungen getroffen.
Projektdurchführung: TU München (Fischbiologie)
3.5 Fließgewässersedimente und Kieslaicher
Das Projekt soll die Ursachen der Verschlammung von Fließgewässern darlegen und aufzeigen, wie man Kieslaichplätze, erhalten, schaffen und restaurieren kann.
Im Jahr 2007 wurde die Kieslaichplatzbroschüre erstellt und veröffentlicht. Sie beschreibt kurz und verständlich, weshalb Laichplätze degradieren, wie funktionsfähige Kieslaichplätze aussehen müssen und wie man sie restauriert.
Da die Versuchslaichplätze in der Moosach, die seit 2004 die Grundlagen des Projekts lieferten, weiter funktionsfähig waren und weiter belaicht wurden, wurde die Erfolgskontrolle fortgesetzt. Mit den Arbeiten wurde die TU München (Arbeitsgruppe Fischbiologie) beauftragt.
An Lech und Inn wurde eine mehrjährige Erfolgskontrolle von Versuchslaichplätzen gestartet, welche im Rahmen eines Pilotprojekts von Spendern finanziert wurden. Der erste Zwischenbericht liegt vor. Er zeigt, dass die Laichplätze von Fischen gut angenommen wurden (Huchen, Äsche, Barbe, Aitel, Bachforelle, Nase) und dass die Laichflächen im Lech weiter funktionsfähig sind. Am Inn dürften 2008 wieder Umlagerungen erforderlich sein, um funktionsfähige Laichbänke bereitzuhalten.
Projektdurchführung: TU München (Fischbiologie)
Link Kieslaichplatzbroschüre
3.6 Beispielhafte Lebensraumverbesserung
Das Projekt dient der Veranschaulichung von kleinräumigen Gewässerrenaturierungen, die dem Budget eines Fischereivereins, einer ländlichen Kommune oder eines Wasser- und Boden-Verbandes entsprechen. Dazu wurden in jedem Bezirk Bayerns in Absprache mit den Bezirksfischereiverbänden bis zu zwei Gewässerrenaturierungen durchgeführt und dokumentiert. Es wurde außerdem eine Erfolgskontrolle angeschlossen. Die Maßnahmen werden Anfang 2009 in einem handbuchartigen Bericht veröffentlicht, der zur Nachahmung anregen soll.
Niederbayern
1. Laichplatzrestaurierung an der Vils
2. Anbindung eines Seitengewässers am Sickergraben Pocking
Mittelfranken:
1. Strukturverbesserung des Flutgrabens Bad Windsheim
2. Erfolgskontrolle am Schweinebach
Oberbayern
1. Beobachtung des Anbindung des Albersbaches an die Glonn
2. Fortführung der Erfolgskontrolle Moosach
Oberfranken
1. Totholzugaben am Main
Oberpfalz
1. Laichplatzrestaurierung und Totholzzugaben an der Vils
Schwaben
1 Strukturbereicherungen an der Roth
2. Strukturbereicherungen am Waltenhofener Bach
Durchführung: Fischereivereine