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Projekt:
Der Fischotter in Bayern

Chancen und Herausforderungen

Finanzierung: 100 % Bayerische Fischereiabgabe


Bearbeiter: 1 Personalstelle: Phillip Roser

Laufzeit: 05/2023 bis 12/2026

Mitwirkende: 

  • Fischereivereine und Fischereirechtsinhaber,

  • Bezirksfischereiverbände,

  • engagierte Privatpersonen,

  • Teilnehmende der Arbeitsgruppe des Fischotterprojektes

Kontakt

 

Phillip Roser

(M. Sc. Fish Biology, Fisheries & Aquaculture)

 

Referat III (Fischerei, Gewässer- und Naturschutz)

Mittenheimer Str. 4

85764 Oberschleißheim

 

Tel.:                089 – 642726 - 47

Mobil:             0151 – 57735705

E-Mail:            phillip.roser@lfvbayern.de

Abb 04 Fischotter 2 Mark Schütze.JPG

Wiederansiedlung des Eurasischen Fischotters: Chancen und Herausforderungen

 

Der Eurasische Fischotter (Lutra lutra L.) war in Deutschland einst heimisch, wurde jedoch im letzten Jahrhundert durch systematische Bejagung und Umweltgifte nahezu ausgerottet. Dank umfangreicher Schutzmaßnahmen konnte in den letzten Jahrzehnten eine großflächige Wiederbesiedlung des ehemaligen Verbreitungsgebietes verzeichnet werden. Heute hat der Fischotter in den meisten europäischen Ländern wieder einen günstigen Erhaltungszustand erreicht und stabile Populationen ausgebildet. In Mitteleuropa, insbesondere in großen Teilen Westdeutschlands, klafft jedoch noch eine Verbreitungslücke.

Bayern verzeichnet seit Ende der 1990er Jahre steigende Fischotterpopulationen. Die Tiere breiten sich zunehmend von Osten her aus und besiedeln derzeit etwa 50% der Landesfläche. Eine bayernweite Bestandsschätzung ergab zuletzt eine Gesamtzahl von etwa 1500 Individuen, was als naturschutzbiologisch nachhaltig gilt. Eine flächendeckende Besiedlung Bayerns wird in den kommenden Jahren erwartet.

Während die Rückkehr des Fischotters generell begrüßt wird, entstehen auch Konflikte und Probleme. Die Tiere sind nahrungslimitiert und finden in der Nähe von Teichwirtschaften reichlich Nahrung, was zu einer ungehinderten Vermehrung führt. Bayern hat eine starke Tradition in der Fischzucht: Diese Jahrhunderte alten Bewirtschaftungsformen sind umweltverträglich, klimafreundlich und stellen eine wichtige, lokale und nachhaltige Form der Nahrungsmittelproduktion dar. Zudem erhalten sie einzigartige Biotoplandschaften, die wichtige Habitate für viele wasserliebende Tierarten darstellen.

Hohe Verluste durch den Fischotter machen jedoch die Bewirtschaftung vieler Betriebe unwirtschaftlich, sodass viele aufgeben. Zäune und andere Präventionsmaßnahmen sind oft nicht rentabel oder umsetzbar, was zu einem Verlust von Existenzen, Traditionen und wertvollen Habitaten führt.

Auch natürliche Gewässer sind vom zunehmenden Fraßdruck der Fischotter betroffen. Zwar hat die Fischotterprädation messbare Effekte auf die Größenverteilung und Häufigkeit von Beutefischbeständen, doch in einem gesunden System ist nicht vom Verschwinden einzelner Bestände auszugehen. Viele Gewässersysteme in unserer Kulturlandschaft sind jedoch massiv geschädigt: Verlust von Habitaten und Fragmentierung durch Gewässerverbau haben in Bayern bereits zum Aussterben einiger Fischarten geführt. Viele weitere sind aktuell gefährdet, einige stark. Auch die Prädation durch andere fischfressende Arten wie Kormoran und Gänsesäger hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen und schwächt die Bestände zusätzlich. Der zusätzliche Fraßdruck durch den Fischotter könnte einen weiteren Einbruch der Bestände zur Folge haben. Hinweise mehren sich beispielsweise beim Huchen. Studien an anderen Großsalmoniden haben gezeigt, dass Fischotter in kleinen Gewässern die Laicherbestände um bis zu 95% dezimieren können. Untersuchungen des Landesfischereiverbandes legen zudem nahe, dass sich Fischotter vermehrt in der Nähe von Fischaufstiegsanlagen aufhalten, da die Jagd hier besonders erfolgversprechend ist. Ein Zielartenkonflikt bahnt sich an.

 

Im Fischotterprojekt des LFV geht es um eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema. Der LFV ist zentrale Sammelstelle für Fischotternachweise aus der Bevölkerung, um die zunehmende Ausbreitung nach Westen zu dokumentieren, da bayernweite offizielle Kartierungen bislang fehlen. In regelmäßigen Seminaren wird das Suchen von Nachweisen geschult und mögliche Bewirtschaftungsstrategien als Anpassung an die bevorstehende Wiederbesiedlung durch Fischotter vorgestellt, um die erwarteten Veränderungen abzumildern. Daneben finden projektinterne Untersuchungen zu Zielartenkonflikten an natürlichen Gewässern statt, die bereits zu großen Erkenntnisgewinnen geführt haben.

Ein zentrales Bindeglied im Projekt ist die Zusammenarbeit mit Fischereiausübungsberechtigten, von denen viele bereits seit Jahren als freiwillige Fischotterbeauftragte verlässliche Daten liefern und somit einen unverzichtbaren Bestandteil des Projektes bilden.

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