Projekt:
Gemeinsam stark
Beratung und Kooperationsförderung für Fischerei, Kommunen und Landschaftspflege zur ökologischen Verbesserung bayerischer Gewässer
Finanzierung: 100 % Bayerische Fischereiabgabe
Bearbeiter:
Felix Wolfrum
Phillip Roser
Laufzeit: 01/2026 bis 12/2028
Mitwirkende:
Fischereivereine und Fischereirechtsinhaber, Bezirksfischereiverbände, bayerische Landschaftspflegeverbände, Gemeinden und Kommunen, Naturschutzvereine und -verbände, div. Wasserwirtschaftsämter, Naturschutzbehörden, engagierte Privatpersonen, Flächeneigentümer und -bewirtschafter
Kontakt
Felix Wolfrum
(M. Eng. Umweltingenieurwesen)
Referat III (Fischerei, Gewässer- und Naturschutz)
Mittenheimer Str. 4
85764 Oberschleißheim
Telefon: +49 (0)89 – 642726 - 19
Mobil: +49 (0)151 – 57736260
E-Mail: felix.wolfrum@lfvbayern.de
Phillip Roser
(M.Sc.)
Referat III (Fischerei, Gewässer- und Naturschutz)
Mittenheimer Str. 4
85764 Oberschleißheim
Telefon: +49 (0)89 - 642726 - 47
Mobil: +49 (0)151 - 57 73 57 05
E-Mail: phillip.roser@lfvbayern.de
Projektziele
Oberziel / Strategisches Ziel
Bayerns Gewässer stehen weiterhin unter erheblichem ökologischem Handlungsdruck. Strukturdefizite, fehlende Durchgängigkeit, mangelnde Beschattung sowie die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels beeinträchtigen vielerorts die Lebensräume von Fischen und anderen aquatischen Organismen. Die Folgen betreffen nicht nur die biologische Vielfalt, sondern auch die langfristige Bewirtschaftbarkeit durch die Fischerei. Gleichzeitig sind Verantwortung, Zuständigkeiten und finanzielle Mittel auf unterschiedliche Akteure verteilt – von Fischereivereinen über Kommunen und Landschaftspflegeverbände bis hin zu Wasserwirtschaftsbehörden und Zweckverbänden. Ohne abgestimmte Zusammenarbeit bleiben viele Entwicklungspotenziale ungenutzt.
Das vereinte Beratungsprojekt des Landesfischereiverbandes Bayern ist zentrale Anlaufstelle für alle Fragen der gewässerökologischen Aufwertung – unabhängig davon, ob es sich um Gewässer erster, zweiter oder dritter Ordnung handelt und unabhängig davon, wer ein Vorhaben initiiert. Es richtet sich gleichermaßen an Fischereivereine, Kommunen, Landschaftspflegeverbände, Zweckverbände und Behörden.
Am Beginn steht eine fundierte Defizitanalyse. Dabei werden morphologische Beeinträchtigungen, die Durchgängigkeit, die Situation der Fischfauna sowie bestehende planerische Grundlagen systematisch betrachtet. Auf dieser Basis werden konkrete, verortbare Maßnahmen entwickelt – etwa zur Strukturverbesserung, zur Entwicklung von Beschattung, zur Schaffung von Kaltwasserrefugien, zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit oder zur Stärkung des Landschaftswasserhaushalts. Ökologische Zielsetzungen, fischereiliche Anforderungen und rechtliche Rahmenbedingungen werden dabei integriert berücksichtigt.
Das Projekt koordiniert die beteiligten Akteure, moderiert Abstimmungsprozesse und begleitet fachlich die Vorbereitung und Umsetzung der Maßnahmen. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Auswahl eines passenden Förderinstruments. Je nach Projektkonstellation werden wasserwirtschaftliche, landschaftspflegerische, bundes- oder kommunal finanzierte Programme mit Mitteln der Fischereiabgabe kombiniert, um Maßnahmen fachlich sinnvoll und finanziell effizient zu realisieren.
Ziel ist eine strukturierte, kooperative und wirkungsorientierte Gewässerentwicklung an allen Gewässerkategorien in Bayern. Damit trägt das Projekt zur nachhaltigen Verbesserung aquatischer Lebensräume bei und stärkt die Rolle der Fischerei als fachlich kompetenten und konstruktiven Partner im Gewässerschutz.
Beispiel: Der Mühlbach bei Scheuring
Der Mühlbach bei Scheuring ist ein typisches Beispiel für die strukturellen Defizite vieler kleiner Fließgewässer. Über Jahrzehnte hinweg wurde er begradigt, Ufergehölze fehlten weitgehend und ein Absturzbauwerk unterbrach die ökologische Durchgängigkeit. In den Sommermonaten führten starke Verkrautungen regelmäßig zu Räumungsmaßnahmen durch die Gemeinde. Die strukturelle Verarmung wirkte sich deutlich auf die Fischfauna aus.
Auf Initiative des örtlichen Luftwaffenfischereivereins Lechfeld erfolgte eine fachliche Bewertung des Gewässers. Im Rahmen einer Defizitanalyse wurden Strukturmangel, fehlende Beschattung und die unterbrochene Durchgängigkeit als zentrale Handlungsfelder identifiziert. Darauf aufbauend wurde ein abgestimmtes Maßnahmenkonzept entwickelt.
In enger Zusammenarbeit zwischen Fischereiverein, Gemeinde als Unterhaltungspflichtiger und dem zuständigen Landschaftspflegeverband als fachkundigem Partner für Gehölzentwicklung entstand ein kooperativer Umsetzungsprozess. Im Frühjahr 2024 wurden in einem ersten Bauabschnitt Strukturelemente wie Wurzelstöcke und Buhnen eingebracht. In weiteren Schritten ist die Entwicklung eines schattenspendenden Gehölzsaums vorgesehen; parallel wurde das wasserrechtliche Verfahren zum Rückbau des Absturzes durch Schaffung eines naturnahen neuen Bachverlaufes angestoßen und im Jahr 2026 realisiert.
Das Beispiel verdeutlicht, wie durch systematische Defizitanalyse, abgestimmte Maßnahmenkonzeption, koordinierte Zusammenarbeit der beteiligten Akteure und gezielte Nutzung vorhandener Ressourcen eine nachhaltige ökologische Verbesserung erreicht werden kann. Gleichzeitig zeigt es, dass Gewässerentwicklung dann besonders wirksam ist, wenn Fischerei, Kommune und Landschaftspflege ihre jeweiligen Kompetenzen bündeln.
