top of page

DER KLIMAWANDEL IST UNTERWASSER ANGEKOMMEN

vor 1 Tag
2 Min. Lesezeit

Fachsymposium beim Bayerischen Landesfischereitag 2026 in Kronach zeigt ganz

konkrete Auswirkungen der Klimaveränderungen in unseren Gewässern auf


Höhere Wassertemperaturen und damit einhergehend weniger Sauerstoff, sinkende Pegel und Abflüsse, immer häufigere Fischbergungen und Notbelüftungen – der Klimawandel, den wir an Land längst spüren, trifft auch unsere Gewässer mit ganzer Wucht. Während Niedrigwasser, ausgetrocknete Felder und Bewässerungsverbote fast selbstverständlich durch die Nachrichten laufen, spielt sich das Geschehen unter der Wasseroberfläche im Verborgenen ab. Sichtbar wird es für die Öffentlichkeit oft erst, wenn es zu spät ist und gravierende Schäden zu beklagen sind. Diesem oft unterschätzten Themenfeld widmete sich das Symposium „Klimawandel unter Wasser" im Rahmen des diesjährigen Landesfischereitags in Kronach.


Laichverhalten wandelt sich

Den Auftakt machte Dr. Christian Vogelmann vom Institut für Fischerei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Unter dem Titel „Klimawandel und Fischreproduktion: Was wir bereits in Bayerns Seen beobachten“ zeigte er anhand einer langjährigen Datenreihe zu den Renken des Starnberger Sees, wie sich deren Laichgeschehen verändert: Während sich die Laichaktivität früher auf ein relativ kurzes winterliches Zeitfenster konzentrierte ist sie in der jüngeren Untersuchungsperiode über einen deutlich längeren Zeitraum verteilt. Gleichzeitig ist der Zusammenhang zwischen Wassertemperatur und Laichaktivität deutlich schwächer ausgeprägt als früher. Die Untersuchungen des IFI zeigen damit, dass Veränderungen der Fischreproduktion im Zusammenhang mit veränderten Temperaturbedingungen nicht erst in ferner Zukunft zu erwarten sind, sondern bereits heute in langjährigen biologischen Daten erkennbar sind.


Wasser wird knapper

Dr. Martin Mörtl, Referatsleiter für Ökologie der Flüsse und Seen am Bayerischen Landesamt für Umwelt, richtete den Blick auf die kleinen Gewässer Nord-Ost-Oberfrankens. Gerade Bäche reagieren aufgrund ihres geringen Wasservolumens besonders empfindlich auf Hitze- und Trockenperioden. Wie ernst die Lage ist, zeigte er an konkreten Beispielen: Zahlreiche Quellen in Nordbayern fallen zunehmend trocken, und an Flussperlmuschelgewässern wurden inzwischen Teiche erworben, um sie in Trockenphasen als Bewässerungsteiche zu nutzen. Vor diesem Hintergrund benannte er die Faktoren, die über die Widerstandsfähigkeit dieser Gewässer entscheiden, betonte den wasserwirtschaftlichen Handlungsbedarf und warb um Unterstützung der Fischerei bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie.


Appell an Fischereivereine

Den Abschluss bildete mein eigener Vortrag zum Thema „Fischfauna und fischereiliche Bewirtschaftung in Zeiten des Klimawandels". Der Vortrag zeigte, dass der Klimawandel auf eine ohnehin stark bedrohte Fischfauna trifft. Über die Hälfte der bayerischen Fischarten stehen bereits auf der Roten Liste - Hauptursache ist der massive Lebensraumverlust durch begradigte Gewässer und unzählige Querbauwerke. Für die Fischerei kann es also kein Weiter-so mehr geben, es braucht neue und ggf. verstärkte Anstrengungen für den Erhalt der Fischbestände: Als Initiatoren und Umsetzer von Beschattungsmaßnahmen, „Kältepools" und der Wiederherstellung der Durchgängigkeit können (und müssen) wir selbst viel bewegen.

Die anschließende Diskussion machte deutlich, wie groß der Informationsbedarf und auch die Sorgen an der Basis sind. Kontrovers erörtert wurde vor allem die in Teilen schwierige Zusammenarbeit mit anderen Naturschutzverbänden. Es überwog jedoch die Haltung, alle nutzbaren Kooperationen einzugehen, um Gewässer wirksam zu verbessern und damit widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu gestalten. Wichtig dabei: Wissenschaft und Praxis müssen sich eng verzahnen und die Fischerei muss sich als aktive Gestalterin am Gewässer in die Pole Position bringen.



Text: Felix Wolfrum

Fotos: Lukas Kaiser

Kommentare


bottom of page