Schatten über dem Bach
Bäume und Sträucher am Wasser freuen die Fische, doch stören manche Vögel
Bayern leidet unter einer anhaltenden Hitzewelle. Die Folgen sind vielerorts spürbar: sinkende Wasserstände, steigende Wassertemperaturen und Fischbestände im Hitzestress. Der Klimawandel zeigt sich mit voller Wucht. Umso wichtiger sind Maßnahmen zur Klimaanpassung, beispielsweise Gehölzpflanzungen zur Beschattung von Gewässern. Sie gehören zu den klassischen Instrumenten einer nachhaltigen Klimaanpassungsstrategie.
Doch nicht jede Maßnahme wird von allen Seiten gleichermaßen begrüßt. Eine Studie des Bayerischen Landesamtes für Umwelt verdeutlicht einen Zielkonflikt, der uns im Gewässerschutz regelmäßig begegnet. Stark gefährdete Arten wie Kiebitz und Großer Brachvogel reagieren empfindlich auf dichte Gehölzsäume und eine zunehmende Veränderung ihrer Lebensräume. So waren in der Untersuchung rund 42 Prozent der Kiebitzreviere vollständig gehölzfrei. Auch Braunkehlchen und Wiesenpieper bevorzugen offene Landschaften und meiden Bereiche mit hoher Gehölzdichte.
Nicht jeder liebt Bäume
Insbesondere an Gewässern mit engem räumlichem Bezug zu Wiesenbrütergebieten entsteht dadurch schnell ein Zielartenkonflikt: Revitalisierung ja, aber möglichst ohne Gehölze. Diese Position wird seitens der Naturschutzbehörden und von Vogelschützern häufig vertreten und ist fachlich durchaus begründet. Gleichzeitig berücksichtigt sie jedoch die Bedürfnisse aquatischer Ökosysteme oft nur eingeschränkt. Beschattete Gewässer sind widerstandsfähiger gegenüber sommerlicher Erwärmung und bieten vielen Fisch- und Wirbellosenarten bessere Lebensbedingungen.
Artenschutz muss für alle da sein
Ein erfolgreicher Artenschutz berücksichtigt die Anforderungen aller betroffenen Lebensräume. Lückige Gehölzstrukturen, gezielt ausgewählte Einzelgehölze, beschattende Hochstaudenfluren oder abgestimmte Abstandsregelungen zu Kernzonen von Wiesenbrütervorkommen können praktikable Kompromisse darstellen.
Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels werden solche Mittelwege zunehmend unverzichtbar. Der Spagat zwischen Arten-, Gewässer- und Klimaschutz ist anspruchsvoll, aber möglich, wenn beide Seiten bereit sind, ihre Perspektiven in eine gemeinsame Lösung einzubringen.
Text & Fotos: Lena Meier




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